Dawesome Kontrast

Wavetable-Synthese 2.0

Autor: Peter Kaminski

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Peter Vorländer aus Hamburg steckt hinter Dawesome. Wir haben schon einige seiner Entwicklungen getestet und vorgestellt, wie zum Beispiel den Synthesizer Myth. Im Oktober 2025 stellte er mit "Kontrast" einen neuen Synthesizer vor, der auf Wavetable-Synthese basiert, diese aber ganz anders interpretiert und umsetzt als es andere Wavetable-Synthesizer tun, wie zum Beispiel der Klassiker Walldorf Music Wave 3.V, den wir auch vor kurzem getestet haben.

Installation und Authorisierung

Erhältlich ist Dawesome Kontrast als VST 3-Plug-In für Windows 10 oder 11 und macOS-basierende Computer (Intel/Apple Silicon) ab 10.13 sowie als AudioUnit-Plug-In für macOS. 

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In der Regel wird man ein Redeem Code nach dem Kauf erhalten, den man dann über die Tracktion-Web-Seite einlösen muss. Ich habe etwas nach dem Weg dafür auf der Web-Seite gesucht. Der entsprechende Menüpunkt befindet sich im Menü "Learn" (s. Abb. oben). 

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Hier gibt man den entsprechenden Code dann ein.

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Die Installation erfolgt über den Tracktion Download Manager (s. Abb. oben).

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Nach dem ersten Start des Plug-Ins lässt sich das Plug-In für die Nutzung auf dem Rechner autorisieren.

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Dazu muss man die Tracktion Nutzerkonto-Zugangsdaten eingeben und dann aktivieren oder ein sogenanntes Keyfile laden, falls der Rechner über keinen Internet-Zugang verfügt.

Konzept

Das Wichtigste bei Kontrast ist, dass man das Konzept der Wavetable-Darstellung und Nutzung versteht, denn hier gibt es gravierende Unterschiede zu dem wie man damit bisher umgegangen ist.

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Grafisch werden Wavetables traditionell als typische 3D-Berg/Tal-Grafik dargestellt (s. Abb. oben, Beispiel von Waldorf Music Microwave 1) wobei die einzelnen Wellen hintereinander angeordnet sind und der Blickwinkel auf diese mehr oder weniger versetzt ist. In dem Beispiel oben ist die erste Wave (rot markiert) eine Sinuswellenform.

Bei Kontrast hat man eine andere Darstellung gewählt und zwar geometrisch eine zweidimensionale. Die einzelnen Samples werden von links nach rechts als Linien dargestellt. Der Helligkeitsverlauf der Linien ist die dritte Dimension und entspricht dabei der Amplitude: Schwarz für Tal (also volle negative Amplitude) und Weiß für ein Spitze (also maximal positive Amplitude).

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Schauen wir uns einmal die Init-Wavetable von Kontrast als Beispiel an. Die gelbe Markierung ist quasi der Play Cursor. In diesem Beispiel am Anfang der Wavetable ein Sinuston. 

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Dieser geht dann langsam zu einer Dreieckwellenform über (s. Abb. oben)

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Im weiteren Verlauf geht die Wellenform in ein Sägezahnwellenform über (s. Abb. oben)

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Und schließlich am Ende der Wavetable geht die Wellenform dann in ein Rechteck über, wo also nur noch entweder maximal positive oder maximal negative Amplitude vorhanden ist und man auf der entsprechenden Line nur noch Schwarz oder Weiß ohne Zwischentöne sieht. 

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Es gibt hier bei dieser Darstellungsform einige Vorteile. Einmal lassen sich auch Wavetables mit sehr stark Veränderungen über den Verlauf darstellen (s. Abb. oben) und zudem hat man eine Art Bild, die die Wavetable durch ihre Helligkeitsverlauf symbolisiert.

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Das hat wiederrum den Vorteil, dass man nicht nur eine Abfolge von Samples als Basis für eine Wavetable nutzen kann, sondern auch Fotos (s. Abb. oben). Die Wandlung in ein achromatisches Bild (also nur mit Graustufen ohne Farben) erfolgt automatisch beim Import von Kontrast. Um eine optimale Auflösung für die Wavetable zu gewährleisten sollte das Format 2048 Pixels in der Höhe und mindestens 1024 in der Breite aufweisen. Optisch wird das Bild dann verzerrt wiedergegeben. Wenn man dies nicht möchte muss man ein Bild mit dem Seitenverhältnis 11:3 importieren.

Normalerweise erfolgt die Wiedergabe einer Wavetable bei einem klassischen Wavertable-Synthesizer so, dass der Play-Cursor immer eine Linie ist (Slice) und so immer eine komplette Wellenform aus dem Wellenformen-Satz der Wavetable wiedergegeben wird. Bei Kontrast ist das aber anders, denn der Play Cursor kann quasi beliebige Formen annehmen und spielt dann zu einem bestimmten Zeitpunkt den Abtastwert an der aktuellen Position wieder. Dieser Verlauf wird über ein internes, editierbares Werkzeug generiert. Zudem lassen sich Bewegungen der erzeugten dynamischen geometrischen Form auch verändern und aufzeichnen.

Das Ergebnis des Ganzen sind klanglich deutlich komplexere Klänge, als man sie von traditionellen Wavetable-Abspielsystemen her kennt, bei denen ja in der Regel ein Hüllkurvengenerator die Position des virtuellen Play Cursors bestimmt.

Bedienung

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Nun zur Bedienung von Kontrast. Über Icon neben dem Produktnamen KONTRAST kommt man zum Hauptmenü. Hier lassen sich Presets und Sound Packs laden und speichern, globale Einstellungen vornehmen und verschiedene Links zu Web-Seiten sowie der Zugriff auf das Handbuch wird hier angeboten. Die Größe der Bedienoberfläche lässt sich manuell stufenlos verändern oder über das Hauptmenü in drei vorgegebenen Größen auswählen.  

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Durch eine Click auf den Preset-Namen öffnet sich der Preset-Browser (s. Abb. oben). Hier kann der Anwender nach Presets über die Auswahl von verschiedensten Kriterien, wie: Packs, Sound Typ, Autor oder Timbre suchen und auch Favoriten markieren.

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Über das Icon Scale lässt sich auch eine Tonskala auswählen. Das ist besonders für den Sequenzer von Relevanz.

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Es lassen sich auch verschiedene Controller auswählen, so wie man das auch von den anderen Dawesome-Instrumenten gewohnt ist. Kontrast ist MPE-fähig und es gibt auch anwählbare Konfigurationen für Seaboard- und Osmose-Controller. Auch MIDI 2.0 wird unterstützt.

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Auf der linken Seite neben der Wavetable-Darstellung ist die Sektion für den Hauptoszillator angeordnet. Über Vibe lässt sich auch noch der Klang der Sound Engine verändern. Zusätzliche Klangeffekte sind über FAT und BITE sowie 8BIT möglich. Über das untere Icon kann man forcieren, dass die einzelnen Noten immer mit der gleichen Phasenlage starten.

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Es gibt auch noch ein Sub-Oszillator mit festen Wellenformen, bzw. Rechteckwellenform mit Pulsweitenmodulation. Das Mischverhältnis der beiden Oszillatoren und die Gesamtlautstärke lässt sich hier ebenfalls verändern.

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Direkt unter der Wellenformdarstellung gibt es noch Parameter für die Veränderung des Verlaufs. So kann man die Geschwindigkeit und die Größe des Verlaufs verändern und man kann Veränderungen auch aufnehmen und wiedergeben. Es stehen auch verschiedene Abspielbetriebsarten bereit (One-shot, Loop, Ping Pong) und der Kontrast lässt sich auch anpassen.

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Darunter ist ein Bereich, der Zugriff auf vier Funktionen bietet und zwar: einen Sequenzer, den Abtastverlauf, Filter und Effekte (s. Abb. unten). Ganz rechts davon ist immer die Master-Out-Sektion sichtbar (s. Abb. oben), die auch noch einen Kompressor und Limiter bietet. 

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Der Step-Sequenzer mit den Betriebsarten Forward, Backward, Ping Pong und Random, bietet per Step Anpassung der Wahrscheinlichkeit, Tonhöhe, Velocity und Gate-Länge. Jeder Step lässt sich individuell aktivieren, bzw. deaktivieren und die Schleifenlänge kann für jeden Parameter individuell verändert werden.

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Die Sektion SCAN bestimmt den generierten Abtastverlauf der Wavetable,"Scanline" genannt. Hier lassen sich geometrische Formen einstellen und modulieren. Diese generierten Formen können zu sehr komplexen, dynamischen Mustern werden.

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Als dritte Sektion hat man hier Zugriff auf die nachgeschalteten Filter, ein Highpass/Notch sowie zwei Tiefpassfilter die sich parallel oder seriell verschalten lassen.

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Natürlich darf auch eine Effektsektion nicht fehlen. Hier lassen sich bis zu fünf Effekte einschleifen

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Verfügbar sind verschiedene Hall-Algorithmen, Delays, Modulationseffekte und Verzerrer sowie Equalizer und dynamische Prozessoren (s. Abb. oben).

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Man kann verschiedene Parameter auch modulieren.

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Als Modulatoren stehen auch zwei Hüllkurvengeneratoren, zwei LFOs sowie ein Random-Generator und das Keyboard zur Verfügung.

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Unten ist ein virtuelles Keyboard vorhanden, bei dem sich auch der Keyboard-Modus umstellen und ein Glissando-Effekt aktivieren lässt.

Praxis

Getestet haben wir Kontrast als VST3-Instrument mit Nuendo 14 als Host-Software unter Windows 11 auf einer AudioKern B14 Workstation von Digital Audio Service. Trotz der sehr leistungsstarken DAW ging die Performance-Anzeige in Nuendo bei den meisten Plug-Ins bei 48 kHz Abtastrate und einer Puffergröße von 512 Samples in den Spitzen so bis 40 %. Es gab aber auch Presets, die noch deutlich mehr Resourcen beanspruchten, was zeigt, dass Kontrast sehr CPU-Resourcen-hunrig ist, was aber auch nicht verwundert, denn Kontrast geht halt an die Grenzen des Machbaren. Vielleicht eine Idee wäre verschiedene Performance-Modes zu bieten.

Ich bin ja ein großer Fan von Wavetable-Synthese. Jedoch war bisher keine richtige Evolution der Wavetable-Synthese festzustellen. Das Prinzip schien auf Ewigkeit fixiert zu sein. Doch nun kommt mit Kontrast ein Synthesizer ins Spiel, der Wavetable-Synthese auf das nächste Level bringt. Das was da klanglich mit Kontrast geboten wird ist schon beeindruckend. Selbst beliebige Fotos als Eingangsmaterial für die Wavetable resultieren in erstaunliche Klänge. Übrigens ist es bei Nuendo auf Windows so, dass man per Drag and Drop nur dann Fotos importieren kann, wenn das Fenster in dem das Plug-In dargestellt ist nicht im Fenstermodus Vollbild dargestellt wird. Zum Import muss man das Fenster der Host-Software kurz auf individuelle Größe umstellen.

Die gesamte Bedienung lädt auch zum Experimentieren und Erstellen von eigenen Presets ein. Die Handhabung sieht komplizierter aus als sie in Wirklichkeit ist. Es lässt sich alles sehr intuitiv bedienen - trotz der sehr komplexen Dinge, die man einstellen kann. Die mitgelieferten 369 Werks-Presets sind klanglich sehr breit gestreut von Ambient bis sehr fette, auch perkussive Sounds und auch Effekte ist alles dabei. Da gibt es eigentlich keinen bestimmten musikalischen Schwerpunkt. Übrigens sind auch Skalen mit Mikrotönen möglich. Hier gibt es verschiedene Dinge, die Unterstützt werden wie MTS-ESP und auch über MPE Pitch Bend, sind mit Hilfe von Entonal Studio oder Abletons Microtuner, beliebige Tonintervalle möglich. Überhaupt ist Kontrast so reichhaltig an Funktionalität, dass man hier mit diesem Beitrag nur einen ersten Eindruck vermitteln kann.  

Fazit

Der reguläre Preis liegt bei 149 Euro. Wie bei allen Instrumenten von Dawesome kann man Kontrast drei Monate lang ohne funktionelle Einschränkungen im Demo-Modus betreiben. Zu beziehen ist Kontrast direkt über die Web-Site von Dawesome oder Tracktion. Ich bin überzeugt, dass für die Kaufentscheidung niemand drei Monate in Anspruch nehmen wird. Kontrast eröffnet im Bereich der Wavetable-Synthese neue Wege und wird sicher viele begeisterte Anwender finden.

www.dawesomemusic.comwww.tracktion.com