Waldorf Music PPG Wave 3.V 2.0
Wavetable-Ikone als virtuelles Instrument
Autor: Peter Kaminski
Der PPG Wave 2 Synthesizer hat Musikgeschichte geschrieben. Seit vielen Jahren gibt es von Waldorf den Synthesizer mit dem "PPG Wave 3.V" auch als virtuelles Instrument. Im September 2025 wurde nun das Update 2.0 vorgestellt, was wir zum Anlass nehmen das Instrument vorzustellen und zu testen.
Das Original
Zunächst einmal werfen wir einen Blick auf das Original, bzw. Vorbild. 1978 stellte Wolfgang Palm mit dem Wavecomputer 360 den ersten Wavetable-Synthesizer vor. Daraus entstand dann der 1981 der Wave 2 mit acht Oszillatoren und zwar einer pro Stimme. Konzept aller PPG-Wave-Synthesizer war, das dem digitalen Oszillator ein analoges Filter und ein VCA nachgeschaltet war. Beim Wave 2 war es ein CEM 3320 als Filter. 1982 entstand dann der PPG Wave 2.2 ebenfalls mit acht Stimmen aber zwei Oszillatoren pro Stimme und nun auch mit dem Filter-Chip SSM 2044. Der SSM 2044 ist ein Tiefpassfilter während der CEM 3320 mehrere Filterblöcke enthält. Klanglich hat jeder so seinen eigenen Charakter. 1984 wurde dann der PPG Wave 2.3 präsentiert, der Multitimbral-Sounds bot und in Zusammenhang mit dem PPG Waveterm statt 8-Bit-Wortbreite auch schon 12-Bit-Samples bot. Es gab übrigens auch mit dem PPG EVU einen Expander.
Die Sounds der PPG Wave 2.x sind legender. Bis zu diesem Zeitpunkt waren Oszillatoren ja in der Regel Analog und außer Pulsweitenmodulation von der Wellenform her statisch. Die Wavetables bestanden dagegen aus einem Wellenformensatz von 64 Wellenformen, die über einen Hüllkurvengenerator und LFOs angesteuert werden konnten. Das der PPG Wave so klang wie er klang ist Wolfgang Palm zu verdanken, der die einzelnen Wavetables so erstellte, dass sie auch homogen klangen. Bei heutigen Wavetables, speziell bei Eurorack-Modulen, sind die Wavetables relativ lieblos zusammengestellt. Wolfgang Palm hat die Wavetables aber auch basierend auf Samples von Instrumenten und menschlichen Stimmen zusammengestellt. Auch interessant waren die Stereoeffekte, worüber einzelne Noten im Stereobild mehr oder weniger auf die Stereokanäle verteilt werden.
Man hat versucht die PPG-Wave-Synthesizer nachzuempfinden aber im Detail klangen diese dann doch anders. Die eingesetzten SSM-Filter, die 8-Bit-D/A-Wandlung, die Zusammenstellung der Wabetables und Aliasing-Artefakte machten den spezifischen Klangcharakter aus. Als die Firma PPG dann 1987 ihren Betrieb einstellte nahm sich Waldorf der Thematik Wavetable-Synthesizer an und in Zusammenarbeit mit Wolfgang Palm entstand der 1989 der MicroWave und später dann der MicroWave II und der Blofeld - alle mit den Genen des PPG Wave, aber eben nur verwand und keine Kopie des Originals. Mittlerweile gibt es mit dem Behringer Wave auch ein Nachbau, der dem Original schon näherkommt.
virtuelles Instrument
Es gab auch ein paar Versuche des Nachbaus als virtuelles Instrument. Auch Waldorf beschäftigte sich damit und hatte natürlich durch die Verbindung zu Wolfgang Palm viel Knowhow auf dem Gebiet der Wavetable-Synthesizer. Die Entwicklung des virtuellen PPG Wave begann im September 1999. Das Ziel war die Konzeption eines Plug-Ins für den damals aufkommenden VST 2.0-Standard in enger Abstimmung mit Steinberg. Um die Authentizität des Klangs zu gewährleisten, wurden die originalen EPROMs der PPG-Wave-Hardware ausgelesen und deren Wavetables direkt in das Plugin integriert. Der Anspruch war dem Original möglichst nahe zu kommen. Das finale Produkt wurde dann im Mai 2000 veröffentlicht. Die erste Version trug den Namen PPG Wave 2.V. Eine überarbeitete Version, der PPG Wave 3.V, wurde dann im November 2010 veröffentlicht und dann eben nochmals 15 Jahr später nun die Version 2.0 des PPG Wave 3.V Plug-Ins. Also mittlerweile auch schon eine lange Geschichte.
Voraussetzung, Installation und Lizenzierung
Das PPG Wave 3.V 2.0 Plug-In von Waldorf Music gibt es für Windows-basierende PCs ab Windows 7 und für macOS-basierende Computer ab Version 10.13 (Intel/M1-basierende Mac-Computer).

Als Plug-In-Formate stehen VST2, VST3, AAX und AU (macOS) zur Verfügung.

Die Installation erfolgt über ein Installer-Programm, bei dem die verschiedenen Formate individuell installiert werden können.

Die Aktivierung erfordert ein "My Waldorf" Benutzerkonto. Dort sind die Lizenzschlüssel zur Aktivierung hinterlegt. Nach dem Plug-In-Start lässt sich die Demoversion dann als Vollversion autorisieren.

Nach der Installation ist das Plug-In (hier als Beispiel in Cubase/Nuendo) unter Waldorf in der Instrumentenauswahl zu finden.
Bedienung
Da wir bisher das PPG Wave 3.V Plug-In noch gar nicht vorgestellt haben gehen wir einmal komplett auf das virtuelle Instrument ein. Das Plug-In-Fenster teilt sich in vier Sektionen auf. Oben befinden sich Schalter zum Umschalten zwischen der Edit-Darstellung und dem Preset/Bank-Browser umzuschalten (s. Abb. unten). Weiter gibt es ein File-Menu für das Laden und Speichern von Presets und Programmen sowie ein Edit-Menü für die Handhabung von Programmen, Parts und Bänken.

Über das Menü kann man auch die Plug-In-Größe in sieben Stufen verändern. Eine stufenlose Einstellung ist nicht vorgesehen.

Wenn man die Darstellungsgröße Verändert muss man das Plug-In neu aufrufen. Es muss aber nicht neu in den Plug-In-Slot geladen werden. Bei Nuendo oder Cubase reicht also zum Beispiel über das Edit-Icon die Plug-In-Darstellung aus- und wieder einzuschalten.
Preset/Bank-Browser
Schauen wir uns zunächst den Preset/Bank-Browser an. Die Darstellung ist ganz im LC-Display-Design des Waves. Die Struktur ist so, dass es Bänke mit jeweils 64 Presets gibt. Ein Programm besteht aus bis zu acht Parts, also Ebenen in denen jeweils ein Preset geladen ist. Auf der rechten Seite kann man die verfügbaren Dateien aufrufen. Neu ist hier in der V 2.0 auch, dass neue Factory Wavetables hinzugekommen sind.
Control Panel
Wenn man auf die Darstellung EDIT umschaltet erscheint die dritte Sektion in Form eines virtuellen Bedien-Panels wie beim Hardware-Vorbild. Darunter befindet sich als vierte Sektion ein virtuelles Keyboard, dass immer sichtbar ist.
Die Sektion mit den Reglern ist identisch mit denen des Hardware-Vorbild und die Bedeutung ist durch die Beschriftung ist eigentlich selbsterklärend. Ganz links sind die Regfler für Lautstärke und Stereoeffekt, dann drei für den LFO-Regler für die drei Hüllkurvengeneratoren, ganz rechts drei Regler für den Hüllkurven-Modulationsgrad (MODOFIERS CONTROL) und darüber Regler für Filter, Drive-Effekt und Oszillator-Pegel.
Tastenfeld und Display

Die Aufteilung der Tasten ist etwas anders als beim Vorbild, denn dort gibt es noch einen Ziffernblock, der bei dem virtuellen Instrument wenig Sinn macht und auf den man daher verzichtet hat. Wie beim Vorbild kann der Anwender über zehn Tasten einen bestimmten Edit-Modus anwählen. Über dem Panel werden dann, je nach angewählter Edit-Seite, die entsprechenden Parameter angezeigt. Die Tasten und Panels sind allerdings beim Plug-In anders. Viele der Panels beim Original machen beim Plug-In keinen Sinn oder werden über andere Mechanismen eingestellt oder sind neue Funktionen, die es beim Original gar nicht gab.

Über das kleine Dreiecksymbol lässt sich ein Preset-Menü aufklappen in dem die Presets der aktuellen Bank anwählbar sind.
Editor-Seiten

Nun zu den zehn anwählbaren Editor-Seiten. Links wird auf allen Seiten eine Übersicht über die acht Parts eines Programms angezeigt, so dass man hier auch schnell auf einen bestimmten Part umschalten kann (s. Abb. oben). Der erste Taster PROG ruft das Panel PROGRAM auf wo sich unter anderem MIDI-Kanal, Volume, Audio-Ausgang und Stereo-Panorama und der Keyboard-Bereich für jeden Part einstellen lässt.

Über DIGI kommt man auf das Panel für die Wavetable-Parameter, also welche geladen sind, der Keyboard- (MONO, DUAL, QUAD, POLY) und der Wave-Simulations-Modus (2.2, 2.3, 2.V) sowie unten die Arpeggiator-Parameter.

Über das Panel TUNING kann man Einfluss auf die Stimmung nehmen. Über die acht Parameter SEMITONE lässt sich je nach Keyboard-Modus im Panel DIGITAL die Tonhöhe der einzelnen Stimmen zuordnen. Dieses Tuning-System gab es auch beim Vorbild. Normalerweise wird man alle acht auf die gleiche Tonhöhe, bzw. Zahl einstellen. Interessant wird es wenn man zum Beispiel Oktave-Sprünge oder gar andere Intervalle für die Stimmen angibt. Das ist schon etwas für Experimentierfreudige.

Das Panel MODULATION ist wieder selbsterklärend und eine Darstellung des Routing von Modulationsquellen und der vorhandenen Ziel, inklusive der Angabe des Modulationsgrads in Prozent.

Beim Panel GRAPH wird ein grafischer Editor aufgerufen um LFO, Hüllkurven, Filterverlauf und eine Wave der Wavetable der Oszillatoren darzustellen und auch zu ändern. Ein Punkt möchte ich hier noch ansprechen. Die Wave ab 60 haben beim PPG eine Sonderfunktion denn Wave #60 ist immer Dreieck, #61 Puls, #62 Rechteck und #63 Sägezahn. Das fand ich schon immer bei Original Wave etwas komisch aber aus Kompatibilitätsgründen musste man das natürlich auch beim Waldorf Music PPG 3.V 2.0 Plug-In so übernehmen.

Über das Panel MUTATE lassen sich auf bestimmten Parameter eine Zufallsgröße aufaddieren. Mit der Zufallsgröße auf EVERYTHING sollte man eher zurückhaltend umgehen.

Beim Plug-In sind ja auch Effekte möglich und zwar ein EQ, Overdrive, Phaser (bis zu 12 Stages), Chorus (bis zu 6 Stages), Stereo-Delay und auch Hall. Diese lassen sich über das Panel EFFECTS aktivieren und einstellen.

Über das Panel TRANSIENT lassen sich Samples laden und Start- und Loop-Punkte sowie die Basistonhöhe setzen. In Verbindung mit dem PPG Waveterm oder dem Processor Keyboard ging das auch beim Vorbild aber eben nicht mit dem Wave 2.2 oder 2.3 alleine. Diese Samples wurden Transients genannt - ein etwas irreführender Begriff beim Vorbild wie ich finde, aber man ist natürlich beim Plug-In dabeigeblieben.

Über das Panel WAVE wird ein Wavetable-Editor geboten. Eine Funktion für Anwender die dann schon etwas tiefer einsteigen möchten.

Mit dem Panel GLOBAL hat man noch Zugriff auf globale Parameter des Plug-Ins. Interessant ist dabei noch zu erwähnen, dass beim Plug-In natürlich einige Grenzen die es bei der Hardware gab, anders skaliert sind. So bietet das Plug-In bis zu 256 Stimmen und acht nutzbare Stereoausgänge - also 16 Ausgangskanäle. Die Nutzung und Einstellung für die Nutzung der 16 Kanäle ist natürlich von Host-Software zu Host-Software unterschiedlich.
Praxis
Getestet haben wir den PPG 3.V 2.0 unter Windows 11 und Nuendo 14 auf einer AudioKern B14 Workstation von Digital Audio Service. Probleme beim Installieren oder Betrieb konnten wir nicht feststellen. Der CPU-Resourcen-Verbrauch ist auf unserer DAW extrem niedrig und kaum wahrnehmbar.
Die Waldorf Music PPG 3.V Version 2.0 bietet klanglich gegenüber der Vorgängerversion gar nicht so viel Neues. Neben neuen Wavetables ist die Zufallsfunktion und der Wavetable Import und das Wavetable Editing neu und auch die eben die Anpassung der Darstellungsgröße. Es ist zwar schön, dass die Panels grafisch im Style der LC-Displays des PPG Wave umgesetzt sind, aber manchmal würde man sich eine etwas modernere Darstellung auch Einstellung wünschen. Das könnte zum Beispiel das Editieren der Wavetables noch weiter vereinfachen oder sogar erweitern. Aber das ist letztendlich eine konzeptionelle Entscheidung.
Der Klang ist dank der detailreichen Simulation des Originals, inklusive diverse Artefakte die bei den Vorbildern PPG Wave 2.2 und Wave 2.3 zu finden sind, eben sehr nah am Original. Man kann das Original Aliasing-Verhalten beider Vorbilder simulieren oder eben auch ein technisch modernes, kann die Wiedergabe-Wortbreite auf 8 Bit der Originale, auf 12 oder auch auf 32 Bit umschalten und hat bei das Modulationsverhaltens der Vorbilder.
Fazit
Der Preis für PPG Wave 3.V 2.0 liegt zurzeit der Test Veröffentlichung bei 149 Euro und ein Update von der Vorgängerversion bei 49 Euro. Zu beziehen ist das virtuelle Instrument über den Shop von Waldorf Music oder im Fachhandel.
Es gibt keine andere Möglichkeit so preiswert an eine Simulation des Original PPG Wave 2.2 oder 2.3 Synthesizer zu kommen wie mit dem Waldorf Music Plug-In Wave 3.V 2.0. Da man sich bei der Bedienung auch an den Vorbildern orientiert hat ist der eine oder andere Bedienkomfort nicht so hoch wie er mit einer modernen Oberfläche sein könnte aber damit kann man sehr gut leben.
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