Steinberg Nuendo 15
Update mit vielen Neuerungen im Videobereich
Autor: Erol Ergün u. Peter Kaminski

Ende März 2026 stellte Steinberg sein Update von Nuendo vor. Einige neue Funktionen wurden auch schon in im Update zu Cubase 15 Pro implementiert, welches wir auch schon getestet haben. Wir möchten uns hier primär die neu hinzugekommenden Nuendo-Funktionen vorstellen.
Installation und Lizenzierung

Die Installation erfolgt über den Steinberg Download Assistent. Hier gibt man den Code den man bekommen hat ein und Nuendo lässt sich auf bis zu drei Rechnern installieren und freischalten. Voraussetzung ist ein Anwenderkonto bei Steinberg sowie ein Internet-Zugang für den Installations und Freischaltungsvorgang.
Die Voraussetzungen für den Betrieb auf Windows-64-Bit-Betriebssystemen sind mindestens Windows 10 Version 22H2 oder höher sowie Windows 11 Version 24H2 oder höher. Bei macOS ist Sonoma, Sequoia oder Tahoe zurzeit die Voraussetzung.
Als Hardware-Voraussetzung ist bei Windows mindestens ein Intel Core i5 der 8. Generation or AMD Ryzen Series-3000 oder Windows auf ARM-Prozessoren. Bei macOS ist die Hardware-Voraussetzung Intel Core i5 (Ende 2018 oder später) oder Apple Silicon. Weitere Mindest-Voraussetzung für den Betrieb auf beiden Betriebssystemen sind 4 CPU-Kerne, 8 GB RAM, 100 GB Speicherplatz sowie Bildschrimauflauflösung von 1440 x 900.
Bedienoberfläche und Handhabung

Mit der neuen Version ist die Verwaltung von Projekten ist im Nuendo Hub jetzt dank skalierbarer Panele übersichtlicher gestaltbar. Links befinden sich Reiter für Projektanzeigen, Tutorials, Manuale sowie Hub-Systemeinstellungen, was viel mehr Platz für die Anzeige von Projektdateien auf der rechten Seite schafft. Details zu System- und Projektinformationen lassen sich hier mit definierbaren Such- und Filterkriterien für einen direkten Zugriff auf bestehende Projekte anzeigen. Praktisch ist die Funktion, Audioeinstellungen zur Projektwiedergabe direkt einzustellen sowie kurze Previews zuvor geöffneter Projekte abzuspielen. So lassen sich beispielsweise Unterschiede von Projektversionen schneller auffinden.

Zusätzlich zu dem nun vertikal rechts neben dem Projektfenster permanent einblendbarem Automationspanel für eine bequeme Ansicht aller Parameter der Automationsspuren wurde auch das Automationssystem um einige praktische Funktionen erweitert.
So öffnet sich beispielsweise mit einem Mausklick auf den Parameternamen einer Automationsspur direkt ein Selektor mit integrierter Suchfunktion. Das entspannte Setzen von Parameterwerten bei gestoppter Wiedergabe wird nun über den neuen Write-on-Play-Modus ermöglicht. Beim Wiedergabestart werden diese Werte dann automatisch in die entsprechende Automationsspur geschrieben. Eine praktische Hilfe ist auch das Kopieren und Einfügen von Automationsdaten von individuellen Parametern einzelner oder aller Spuren.

Insbesondere bei Mehrkanalproduktionen werden häufig Mix-Varianten mit unterschiedlichen Kanalkonfiguration benötigt. Mit der neuen Funktion „Convert Channels“ wird die Konvertierung von Audiosetups vereinfacht. Ausgewählte Audiodateien können in einem Pop-Up-Fenster für den gewünschten Mix geteilt oder zusammengefasst werden. So sind beispielsweise Mono-Spuren paarweise gruppierbar oder Stereospuren in Monospuren trennbar. Die Platzierung und das Kanal-Routing erfolgen automatisch, was insbesondere beim Konvertieren von Stems sehr praktisch ist.

Für jede Ordnerspur kann jetzt eine Summenspur definiert werden, was einen strukturierten Submix ohne manuelles Routing ermöglicht. Wenn Spuren hinzugefügt oder entfernt werden, wird das Routing automatisch aktualisiert und die Mixer-Ansicht ändert sich entsprechend. So behält man auch bei komplexen Projekten den Überblick und das Fahren von Automationen insbesondere bei Filmvertonungen mit Gruppen wie Soundeffekten, Atmos und Dialogpassagen wird sehr vereinfacht.
Neben den oben genannten neuen Funktionen hat Nuendo 15 auch zahlreiche weitere Verbesserungen erhalten, wie beispielsweise die Status-Anzeige der aktuellen Buffer-Größe im Audiosetup oder der überarbeitete Plug-In Manager mit übersichtlicher Anzeige der verwendeten VST-Plug-Ins.
Außerdem werden im überarbeiteten Marker-Editor Marker-Attribute übersichtlicher dargestellt und sind so schneller zuordbar. Praktisch ist auch die Quick Audio Export-Funktion, mit der sich schnell Mixdowns inklusive definierter Einstellung erstellen lassen, ohne vorher Locator-Punkte platzieren zu müssen. Klein, aber fein: die Spurenanzeige im Inspector verfügt jetzt über einen vertikalen Pegelregler, der man ohne Spurauswahl die Lautstärke der Spur ändern kann.
Aus einer Audiodatei lassen sich jetzt mit der KI-gestützten Stem Separation-Funktion einfach und schnell Einzelspuren in den Kategorien Vocals, Drums, Bass und Other extrahieren. Die so neu erstellten Audiospuren werden automatisch erzeugt und können dann separat bearbeitet werden. Wem die Qualität nicht genügt, erzielt mit SpectraLayer Go bessere Ergebnisse aufgrund des größeren Funktionsumfangs. Allerdings ist die Einarbeitungszeit höher und die Berechnung dauert länger.
Plug-Ins

Ein neues Plug-In ist der PitchShifter mit drei Drive-Betriebsarten und zwar: Tape, Tube und Distortion. Über den Formant-Parameter lässt sich die Klangfarbe am Eingang verändern. Der Regelumfang beträgt nach oben und unten jeweils eine Oktave. Über den Taster "st" lässt sich die Einstellung der Tonhöhenverschiebung auf Halbtonschritte beschränken.

Weiteres neues Plug-In ist der UltraShaper, ein Dynamikkompressor, bei dem die Make-up-Verstärkung automatisch angepasst wird, um einen gleichbleibenden Ausgangspegel zu gewährleisten und er verfügt zusätzlich über eine Clipping-Funktion mit der neben der Pegelbegrenzung auch eine zusätzliche Klangformung möglich ist.

WaveLab Go ist Bestandteil von Nuendo 15 und enthält einige Audiofunktionen der kostenpflichtigen Mastering-Software Wavelab. Aufgrund der ARA 2.0-Schnittstelle sind so bereits auf Audio-Event-Ebene detaillierte Bearbeitungsschritte in Echtzeit durchführbar wie Pegel-Analysen, Spektral-Visualisierung von Störgeräuschen und Mastering.

Wo Wavelab-Go die Audiobearbeitung mit Wellenform-Darstellung erlaubt, ist das ebenfalls als ARA 2.0-Extension in Nuendo 15 installierbare SpectraLayers Go in der Lage, Audiobearbeitungen auf Eventebene visuell Ebenen basiert durchführen zu können. Auch diese „schlanke“ Version des ebenfalls kostenpflichtigen Standalone Programms SpectraLayers Pro verfügt über einige Reparaturwerkzeuge, die insbesondere bei Knackgeräuschen, Brummschleifen, S-Lauten oder Hallfahnen nützlich sind, die mit herkömmlichen EQ-Einstellungen und Pegelanpassungen nicht repariert werden können.
Darüber hinaus lassen sich in der aktuellen Version mit Hilfe von KI-Algorithmen Audiodateien in unterschiedliche Ebenen zerlegen und so mittels Vocal Unmixing-Funktion Sprache von Geräuschen in unterschiedlichen Qualitätsstufen trennen – die sozusagen „lebensrettende“ Maßnahme in der Postproduktion, wenn bei einer wichtigen Einstellung nur eine Stereoaufnahme zur Verfügung stand.
Beide Editoren sind Standalone-Programme, die mittels ARA-Schnittstelle in den Signalweg eingreifen. Deshalb müssen beide auch separat installiert werden, was zusätzlichen Speicherplatz in Anspruch nimmt.
Video-bezogene Funktionen
Nuendo 15 kann jetzt neben ADM-Dateien mit MPEG-Format auch Videodateien des MXF-Containers mit OP1a- oder OP-Atom-Format importieren. Das Material Exchange Format wurde speziell für den Einsatz in professionellen Bereichen Broadcast und Postproduction entwickelt und ist ein SMPTE-Standard, der den reibungslosen Austausch von unterschiedlicher Hardware und Software-Plattformen ermöglicht. Nuendo 15 kann MXF-Videodateien importieren, die den AVC-Intra oder MPEG2-Essence Standard entsprechen. Audioseitig werden gängige Multichannel-Konfigurationen unterstützt, wobei nach Import automatisch eine entsprechende Mehrkanaltonspur angelegt wird.

Auch die Videoexport-Funktion wurde erweitert und ist nun für externe Bildbearbeitung oder Dailies noch flexibler einsetzbar. So stehen jetzt vier Auflösungsvarianten mit 854x480px, 1280x720px, 1920x1080px und 3840x2160px zur Auswahl. Der H.264-Encoder kann vorhandene GPU-Hardware nutzen und bietet vier Presets mit Qualitätsstufen für kleine, mittlere und hohe Bitraten sowie Editing-Mode mit kleinen GOP für die weitere Videobearbeitung im gängigen MP4-Format. Darüber hinaus lässt die GPU-Unterstützung je nach Bildqualitätsbedarf auch mittels Force-Software-Encoding Option deaktivieren. Des Weiteren lassen sich zusätzliche Daten wie Timecode sowie Text-Overlay für ADR im Videostream exportieren. Audioseitig werden aktuell nur Stereo-Ausgangkanäle mit 16-Bit-Wortbreite und 44,1 oder 48 kHz Samplerate unterstützt, was bei Mehrkanaltonprojekten den Einsatz einer separaten Stereosumme notwendig macht.

Mit der Analyzer-Track-Funktion gibt es in Nuendo 15 erstmals die Möglichkeit zur Prüfung der Sprachverständlichkeit bei Dialogspuren. Auf Basis der Analyse- und Detektionstechnologien des Fraunhofer IDMT lassen sich kritische Audiobereiche sofort identifizieren. Je nach Vorgaben von Sendeanstalten oder Streaminganbieter sind Threshold-Werte individuell einstellbar. Mittels Ampelfarben-Codierung werden im Metering detailliert die in der Dialogspur enthaltenen Pegelspitzen, spektrale Unregelmäßigkeiten und dynamische Auffälligkeiten wie Clipping in Echtzeit angezeigt und können so schneller bearbeitet werden.

Eine Domäne von Nuendo ist die ADR-Funktion zur Dialog-Synchronisation. Diese wurde nun funktional für eine flexiblere Textdarstellung überarbeitet. So lassen sich jetzt Textgrößen, Textfarben sowie Durchsichtigkeit auf Videodisplays wie TV-Monitoren oder Tablets anpassen und Overlays wie Take-Nummer oder Timecode auch während der Aufnahme platzieren.
Praxis
Insgesamt fühlte sich das allgemeine Handling vieler Spuren angenehm flüssig an. Auf unserem Windows 10-System mit Intel Xeon CPU, 32 GB Arbeitsspeicher und Nvidia RTX-GPU erfolgte das visuelle Feedback beim Verschieben von Fenstern, Mixeranzeigen und Zeichnen von Automationskurven schnell und ruckelfrei. Die Ordnerspuren sind ohnehin ein Gamechanger für die Verwaltung von umfangreichen Post Production-Sets und die nun erstellbaren Summenspuren ermöglichten darüber hinaus das bequeme Automatisieren ganzer Subgruppen. Willkommen war auch die Möglichkeit, Automationskurven von einer Spur auf andere mittels Copy & Paste zu kopieren. Die ARA-Implementation funktionierte im positiven Sinne unauffällig reibungslos.
Auffällig war der Qualitätsunterschied zwischen der in Nuendo implementierten Preset-Funktion „Stem Separation“ zur Trennung von Sprache und der auch als Stand Alone lauffähigen SpectraLayer Go App. Hier war der Klangunterschied deutlich hörbar aufgrund der einstellbaren Funktionen und Qualitätsstufen. Wer konfigurierbare Makro-Controller wie die Elgato-Stream-Deck-Hardware nutzt, kann mit Tastaturkommandos die vielfältigen Funktionen von Nuendo für das schnelle Audio- und Plugin-Bearbeitung individuell auf den eigenen Workflow anpassen. Im Test funktionierte das wunderbar beispielsweise beim Einsatz von SpectralLayer Go.
Fazit
Der Preis für Nuendo 15 beträgt ca. 1.000 Euro und für das Update von der Vorgänger-Version ca. 200 Euro. Neben grundsätzlichen Verbesserungen an der Bedienoberfläche, einiger neuer Plug-Ins ist der Fokus diesmal sehr konzentriert auf den Bereich der Videoproduktion, bzw. Ton zum Bild gelegt. Aber alleine wegen der vielen kleinen Verbesserungen in der Handhabung lohnt sich schon das Update.
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