Sennheiser MKE400

Kameramikrofon mit Supernieren-Richtcharakteristik

Autor und Fotos: Peter Kaminski

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Das Sennheiser MKE 400 gibt es schon seit vielen Jahren. Wir haben auch schon das kompaktere Sennheiser MKE 200 getestet aber da im professionellen Bereich immer mehr mit kompakten Kameras, wie zum Beispiel der Nikon ZR, gearbeitet wird, die eine hervorragende Leistung im Videobereich bieten, aber im Audio-Bereich eher mit Basisfunktionen ausgestattet sind, sind spezielle Audiointerfaces oder ergänzende Mikrofone sehr interessant. Das MKE 400 wird als Einzelprodukt angeboten aber auch in einem sogenannten "MKE 400 Mobile Kit" für den Einsatz mit Mobiltelefonen.

Lieferumfang

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Zunächst ein Überblick über den Lieferumfang des Sennheiser MKE 400 Mobile Kit. Neben dem Mikrofon, Fell-Windschutz, Transportbeutel sowie zwei Kabel und zwei AAA-Batterien wird dort noch zusätzlich ein PIXI Mini Stativ von Manfrotto (Höhe 135 mm) mit Neigemöglichkeit sowie eine sehr robuste Klemme aus Metall für die Befestigung eines Mobiltelefons mitgeliefert. Beide Spiral-Anschlusskabel verfügen über einen am Mikrofon verriegelbaren Stereo-Miniklinkenstecker und auf der Gegenseite eine Stereo-Miniklinkenbuchse für die Verbindung zu Kameras sowie eine TRRS-Buchse für den Betrieb an Mobiltelefonen.

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Nicht im Lieferumfang aber optional bietet Sennheiser das CL 35 USB-C-Kabel (Artikel-Nr. 509262) an, das sich zum Beispiel dann mit dem Apple iPhone einsetzen lässt und auch über einen verriegelbaren Stecker auf der Mikrofonseite verfügt.

Technik

Bei dem MEK 400 handelt es sich um ein kompaktes (126 x 67 x 37 mm, 94 Gramm) Elektretmikrofon mit Vorpolarisierung. Der Übertragungsbereich wird von Sennheiser mit 50 Hz bis 20 kHz angegeben. Es bietet eine Supernieren-Richtcharakteristik, eine Empfindlichkeit von -23, -42 oder -63 dBV/Pa, je nach eingestellter Verstärkung und verträgt einen Maximalschalldruck von 132 dB SPL. Die Betriebsspannung erfolgt über zwei AAA-Batterien, die für über 100 Stunden Betriebsdauer sorgen. Der eingebaute Kopfhörerverstärker bietet an Kopfhörern mit 16 Ohm Impedanz 105 mW Ausgangsleistung, bzw. bei 32 Ohm noch 70 mW. Bei 50 mW beträgt ist der THD-Wert unter ein Prozent.

Bedienung

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Die Bedienung ist relativ einfach. Es gibt einen Taster zum Ein- und Ausschalten, einen Schalter für die Verstärkung (-20, 0 oder +20 dB) sowie einen zuschaltbaren Hochpassfilter (-6 dB bei ca. 180 Hz). Vorne wird das Kabel für die Audioverbindung zur Kamera angeschlossen und arretiert.

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Auf der anderen Seite des unteren Kunststoffgehäuse befindet sich der Kopfhöreranschluss mit der Möglichkeit den Pegel über eine Tastenwippe anzupassen (acht 6-dB-Schritte).

Praxis

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Das Mobile Kit ist wirklich sehr praktisch. Die Klemme für das Mobiltelefon ist sowohl mit einem 1/4"- als auch 3/8"-Gewinde versehen und lässt sich sogar auch auf einem Acra Swiss kompatiblen Stativ befestigen. Die Ausrichtung des Mobiltelefons kann von horizontal, wie im Bild zu sehen, auch auf vertikal geändert werden. Die Klemmenhöhe ist so groß, dass auch Apple Pro Max iPhones dort problemlos befestigt werden können.

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Der mitgelieferte Windschutz ist unten offen und lässt sich einfach überstülpen. Nun zu Klangqualität. Wir haben den primären klanglichen Test mit einer Nikon ZR durchgeführt und mit dem internen Mikrofon verglichen. Bei der Nikon ZR lässt sich ja die bevorzugte Aufnahmerichtung einstellen, also keine Richtwirkung, nach hinten oder nach vorne gerichtet. Wir haben Aufnahmen in ein und 2,5 Meter Abstand in einem nicht akustisch gedämpften Raum gemacht und zwar mit dem internen Mikrofon mit Richtwirkung nach vorne, mit dem MKE 200 und mit dem MKE 400.

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Bei einem Meter Abstand ist das interne Mikrofon durchaus noch brauchbar aber selbst das sehr kompakte MKE 200 nimmt schon weniger Raumhall auf. Beim MKE 400 war nur sehr geringer Raumanteil wahrnehmbar. Bei 2,5 Meter Abstand würde ich unter professionellen Gesichtspunkten das interne Mikrofon nicht mehr einsetzen, denn der Raumanteil ist doch sehr deutlich und gerade in Interview-Situationen leidet die Sprachverständlichkeit dadurch. Das MKE 200 ist hier noch akzeptabel und beim MKE 400 ist der Raumanteil deutlich reduziert bei einer guten Sprachverständlichkeit. Vor allem überzeugt bei der Entfernung auch der Klang. Das MKE 200 schneidet im unteren Frequenzbereich doch mehr ab als das MKE 400, das noch eine schöne und ausgewogene Basswiedergabe bietet. Die -6-dB-Frequenz liegt am unteren Ende so bei ca. 80 Hz (bezogen auf 0 dB bei 1 kHz).

Das MKE 400 ist gegenüber dem MKE 200 doppelt so lang aber immer noch sehr kompakt gegenüber anderen Richtrohrmikrofonen. Auch wenn man nur einen Synchronton zum Anlegen im Schnitt aufnehmen oder das Gesprochene mithören möchte, hilft das MKE 400 sehr. An einem Messestand mit viel Umgebungsgeräuschen kann man am Kamerastandort häufig nicht verstehen, was der Moderator sagt. Wenn man keine Drahtlosstrecke einsetzt und direkt mit einem kleinen Recorder den Sprecher aufnimmt hat man an der Kamera keine Möglichkeit mehr das gesprochen Wort zu kontrollieren. Bei Einsatz des MKE 400 verbessert sich diese Situation aber deutlich. Daher setze ich es immer ein, auch wenn ich den Ton auf einem anderen Recorder aufnehme.

Der einzige Punkt den wir noch anmerken müssen ist, dass beim Transport im Beutel oder in einem Kamerakoffer, das Mikrofon durch leichten Druck auf den Einschalter aktiviert wird, so dass ich mir angewöhnt habe auf dem Weg zum Drehort die eingelegten Batterien für den Transport zu entfernen. Hier wäre ein mechanischer Schalter wahrscheinlich die bessere Option gewesen. Positiv anzumerken ist, dass sich bei in der Kamera aktivierter Mikrofon-Spannungsversorgung das MKE 400 automatisch ein- und ausschaltet, je Kamerastatus.    

Fazit

Der Preis für das MKE 400 beträgt knapp unter 200 Euro und für das Mobile Kit unter 230 Euro. Damit erscheint das Mobile Kit besonders preiswert denn für einen kleinen Aufpreis bekommt man das Tischstativ und die hochwertige Mobiltelefonhalterung dazu.  

Das MKE 400 ist trotz seiner Richtwirkung noch ein sehr kompaktes Mikrofon mit einem überzeugenden Klang und durch die Bitzschuhmonatge und den Kopfhörerverstärker ideal um die Audioqualitäten der kompakten Videokameras deutlich zu optimieren. Eine weitere Verbesserung ist dann eigentlich nur noch mit einem speziellen Audiointerface, was Phantomspeisung bietet und deutlich längeren Richtrohrmikrofone möglich.

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