Sennheiser HD 480 PRO

akustisch geschlossener Kopfhörer

Text und Fotos: Peter Kaminski

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Wir haben ja schon den akustisch offenen Studiokopfhörer Sennheiser HD 490 PRO in einem Test vorgestellt und nun gibt es mit dem HD 480 PRO die akustisch geschlossene Variante. Wir hatten schon einige Wochen vor der Veröffentlichung ein Muster bekommen und konnten es so ausgiebig testen.  

Lieferumfang

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Auch beim HD 480 PRO gibt es eine Standard- und eine Plus-Variante, die sich nur im Zubehör-Lieferumfang unterscheiden. Bei der mit Plus gekennzeichneten Produktvariante befindet sich ein Travel Case im Lieferumfang (s. Abb. oben) und bei der Standardvariante alternativ ein Stoffbeutel. Das mitgelieferte Travel Case (Best.-Nr. 700503) ist etwas kompakter als das Hard Case was beim 490 PRO Plus mitgeliefert wird, welches aber bei Bedarf auch als Zubehör (Best.-Nr. 700292) angeboten wird.

Weiter im Lieferumfang ist ein 3 Meter langes Anschlusskabel von Klinkenstecker auf 4-poligen Mini-XLR-Stecker. Der Klinkenstecker wird mit einem Adapter von 3,5 auf auf 6,3 mm ausgeliefert. Es handelt sich um ein Kabel was in drei Segmente geteilt ist und zwar ein kurzes Spiralkabel-Segment am Kopfhörer, dann ein gerades Kabelsegment und dann wieder ein längeres Spiralkabel-Segment. Es gibt auch ein kürzeres Kabel mit 1,8 Meter Länge als optionales Zubehör (Best.-Nr. 700288) sowie auch ein symmetrisches Kabel (Best.-Nr. 700330) mit Pentaconn-Stecker.

Technik und Konzept

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Die Ohrbügel und die gesamte mechanische Konstruktion ist mit dem HD 490 PRO (s. Abb. oben rechts) identisch. Auch der dynamische Treiber mit 38 mm Durchmesser ist der gleiche Typ. Der Unterschied ist eben der innere akustische Aufbau sowie geschlossene Ohrmuschel beim HD 480 PRO (links).   

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Beim HD 490 PRO werden ja zwei paar Ohrpolster mitgeliefert und zwar einmal Velour-Polster (ab Werk aufgezogen) und einmal Stoffpolster. Beim HD 480 PRO werden ausschließlich die Velour-Polster mitgeliefert. Das hat auch klangliche Konsequenzen. Mehr dazu im Praxisabschnitt.

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Der Kopfbügelaufbau ist ja absolut identisch mit dem HD 490 PRO und so wird auch hier eine Seriennummer mit QR-Code auf der rechten Kopfhörerseite aufgedruckt. Ein interessantes Merkmal, denn so hätte man wahrscheinlich Zugriff auf die beim Hersteller in der Produktion hinterlegten Messkurve. Es gibt ja Hersteller, die dann diese Kurve zur Kompensation der Hersteller-Toleranzen über ein Plug-In nutzen.

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Auch die Markierungen mit der sich die Länge des Kopfhörer-Bügels feststellen lässt ist wie bei 490 PRO ausgeführt.  

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Und auch die Anschlüsse sind identisch mit denen beim HD 490 PRO. Es kommen zwei vierpolige Mini-XLR-Buchse zum Einsatz. So lassen sich die Kabel rechts oder links anbringe und der nicht genutzte wird verschlossen. Dank der vier Pole ist auch hier der symmetrische Betrieb möglich. Sehr schön das man das auch beim geschlossenen Hörer so vorgesehen hat.

Technische Daten

Bei den technischen Daten gibt es aufgrund des geschlossenen akustischen Aufbaus im Detail natürlich auch Unterschiede. Gleich ist die Anschlussimpedanz von 130 Ohm. Der Kopfhörer liegt also im mittleren Impedanzbereich und lässt sich auch problemlos direkt an Kopfhörerausgängen von Instrumenten oder kleinen Mischpulten anschließen.

Die Kopfhörermuschel ist durch die geschlossene Bauweise etwas schwerer und der HD 480 PRO wieg ohne Kabel 272 Gramm, also 12 Gramm mehr als der HD 490 PRO, was man bei dem geringen Unterschied natürlich beim Tragen nicht spürt. Die Empfindlichkeit liegt beim HD 480 PRO bei 98 dB bei 1 kHz und 1 mW (HD 490 PRO: 96 dB). Der maximale Schalldruck beträgt 130 dB SPL bei 1 kHz und 5 % THD (HD 490 PRO: 128 dB). Der Klirrfaktor ist mit >0,5 % bei 1kHz und 100 dB SPL etwas größer als der beim HD 490 PRO der bei >0,2 % liegt. 

Ein Punkt haben wir noch nicht erwähnt und zwar den Übertragungsbereich, der unterschiedlich ist. Beim HD 480 PRO beträgt dieser 3 Hz bis 28,7 kHz (@ -10 dB) und beim offenen HD 490 PRO dagegen 5 Hz bis 36,1 kHz, also etwas höher abgestimmt. 

Praxis

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Vieles was für den HD 490 PRO gilt, gilt natürlich aufgrund der gleiche Bauweise auch für den HD 480 PRO. Hier sei besonders der hohe Tragekomfort zu erwähnen. Die Kopfhörer lassen sich wirklich auch längere Zeit ohne Probleme oder gar Druckstellen tragen.

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Kommen wir nun zum Klang. Bei HD 480 PRO werden ja nur die Velour-Polster mitgeliefert. Dies und die andere akustische Abstimmung hat zur Folge, dass der Bassbereich etwas kräftiger ausfällt als beim HD 490 Pro mit Stoffpolstern - aber auf keine Fall überzogen, sondern eher auf einem Niveau und ausbalanciert wie bei einer guten Studioabhöre. Auch die Mitten und Höhen sind gut ausgewogen und die Transienten-Wiedergabe ist so exzellent wie beim 490 PRO.

In dem Test zum HD 490 PRO sind wir da ja im Detail auf die klanglichen Unterschiede der Polster eingegangen. Man sollte sich den Test auch unbedingt einmal anschauen. Grundsätzlich klingen beide Kopfhörer mit den Velour-Polstern schon sehr ähnlich - eigentlich müsste ich sagen, nicht nur ähnlich sondern der geschlossene HD 480 PRO klingt auch überraschend gut. Da ist klanglich nichts Nachteiliges mehr wahrnehmbar, wie noch bei geschlossenen Kopfhörern im letzten Jahrtausend. Die meisten Hersteller beherrschen das heute bei geschlossenen Kopfhörern, aber beim Sennheiser HD 480 PRO muss ich da nochmal ein besonderes Lob aussprechen.

Die Abstimmung mit den Polstern ist für die Anwendungsbereiche eines geschlossenen Kopfhörers optimal, also wie zum Beispiel Zuspielung während der Aufnahme, Anschluss an Keyboards, mobiles Mischan am Laptop oder an den Mischpult-Ausgängen am FOH-Platz. Daher kommt auch gar nicht der Bedarf nach den Stoffpolstern in diesen Anwendungsszenarien auf und deshalb dürfte man auch von Seiten Sennheiser darauf verzichtet haben, diese mitzuliefern. 

Für das Mastering würde ich eher den offenen HD 490 PRO mit Stoffpolstern vorziehen. Aber das ist ja eigentlich auch das schöne, dass man nun zwischen den drei Varianten HD 480 PRO geschlossen mit Velourpolster und HD 490 PRO geschlossen mit Velour- oder Stoffpolster wählen kann, die alle ja ihre klanglichen Nuancen und Vorteile haben, wie eben die geringere Außenschallwahrnehmung beim Anwender und auch die geringere Schallemission nach außen beim geschlossenen HD 480 PRO, was perfekt für Recording- und Live-Applikationen ist.

Sicherlich ist bei geschlossenen Kopfhörern im Recording- und Live-Bereich der Wunsch nach einem Betrieb an einem symmetrischen Kopfhörerausgang nicht so groß wie bei Studio- und Mastering-Anwendungen, aber es ist möglich. Beim Betrieb an einem professionellen Kopfhörerverstärker mit XLR-4-Buchse kann man übrigens das auch schon beim HD 490 PRO vorgestellt Kabel von Audioverse nutzen: https://audioverse.de/produkt/4-pin-xlr-basic-series-kopfhoererkabel-fuer-hd490-pro.

Fazit

Der Preis für den HD 480 PRO liegt bei 400 Euro und für die Plus-Variante mit dem Travel Case statt Stoffbeutel liegt bei ca. 440 Euro. Also auf ähnlichem Niveau wie der HD 490 PRO. 

Der Klang überzeugt absolut und wer im Studio den HD 490 PRO nutzt oder kennt, der wird auch vom HD 480 PRO im mobilen Einsatz am Laptop, beim Recording-Monitoring oder bei Live-Anwendungen, wie zum Beispiel am FOH-Platz, begeistert sein. Das etwas mehr Druck und Energie im Bassbereich ist hier Applikations-bedingt genau das richtige und das noch auf klanglich so hohem Niveau wie beim HD 490 PRO. 

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