The Cargo Cult Slapper 3
3D-Audio-Delay Plug-In
Autor: Peter Kaminski

Im Bereich für den Mono/Stereo-Bearbeitung ist der Markt von angebotenen Plug-Ins kaum noch zu überblicken. Für jede sinnvolle oder auch nicht sinnvolle Anwendung gibt es irgendetwas. Im Bereich 3D-Audio sieht das aber ganz anders aus. Hier sind Plug-Ins für Basisfunktionen wie Equalizer und Dynamikbearbeitung in überschaubarer Anzahl verfügbar aber bei schon etwas speziellere Plug-Ins ergeben sich häufig Lücken im Angebot.
Bei der Suche nach einem 3D-Audiofähigen Delay-Plug-In bin ich auf "Slapper" vom Neuseeländischen Hersteller "The Crago Cult" aus Wellington gestoßen. An der Versionsnummer 3 lässt sich schon erkennen, dass das Plug-In schon seit vielen Jahren angeboten wird. In der Version 3, die bereits 2023 veröffentlicht wurde, gibt es eine ganze Reihe von neuen Leistungsmerkmalen sowie weitere Mehrkanalformate die unterstützt werden. Es gibt zwei Versionen, eine reine Stereo-Version und eine Version für Mehrkanalanwendungen, auf die wir hier eingehen werden. Von der Bedienung her sind beide sehr fast identisch. Der Unterschied ist nur die Kanalanzahl.
Voraussetzung und Installation
Das Plug-In wird für Windows ab Version 10 sowie für macOS ab 10.12 (Intel und Apple Silicon) angeboten und zwar als VST3, AAX (Nativ und Audiosuite) sowie AudioUnit für macOS. Der Kopierschutz erfolgt über ein iLok-Kundenkonto. Ein iLok-Dongle ist dabei nicht erforderlich.
Die Installation wird über ein Installer-Programm (s. Abb. unten, Beispiel Windows 11) durchgeführt. Hier lassen sich bei Bedarf verschiedene Dinge anpassen wie Pfade für Programm, Werks-Presets, VST3-Plug-In-Ordner sowie eben welche Plug-In-Format Installiert werden sollen. Das Installieren der Werks-Presets kann man hier auch unterdrücken.

Das Plug-In unterstützt Abtastraten von 44,1 bis 192 kHz. Es werden praktischerweise alle üblichen Kanalformate unterstützt von Mono, Stereo, LCR, Quad, 5.0 bis hin zu 5.x.x, 7.x.x, 9.x.x bis maximal 9.1.6 - natürlich auch 7.1.2 für Dolby-Atmos-Beds. Wenn ein kleineres Format im Plug-In gewählt wird als die Kanalkonfiguration bietet, dann wird entsprechend ein Downmix erstellt, so dass keine Signalanteile fehlen.
Bedienung
Oben im Kopf lassen sich über ein Menü die User- und Werks-Presets aufrufen (s. Abb. unten).

Bevor wir nun auf die Handhabung eingehen, möchten wir das Konzept von Slapper vorstellen. Es ist in allen Formaten so, dass das zu verarbeitende Signal am Eingang des Effektweges in ein Monosignal summiert wird. Dieses Monosignal wird dann in acht individuelle "Delay Taps" geschickt.

Oben im Plug-In sieht man die visualisierten acht Taps. Die Position der Taps in der Grafik gibt vertikal den Pegel und horizontal die Verzögerungszeit an (s. Abb. oben). Oben in der Grafik lassen sich über verschiedene Optionen auch Positionen verschiedener Notenlängen als Raster einblenden. Wenn SNAP angewählt ist rasten die Tap-Positionen auch auf die Notenwerte ein. Über die Option TAP-TAP lassen sich auch manuell Rasterpositionen mit der Maustaste setzen. Die Form der Tap-Symbole geben Aufschluss über verschiedene Parameter wie Pegel, Feedback (Ringe), Crosstalk (Kreuz) und Damping (Farbtiefe).

Darunter links befindet sich das "Pan Field" in dem die Position der Taps im 3D-Audio-Schallfeld dargestellt wird. Die Position der Taps in der Übersicht- und in der Panorama-Grafik kann der Anwender auch mit der Maus verändern.

Rechts neben der Panorama-Grafik werden die Parameter (Pegel, Delay-Zeit, Übersprechen, Dämpfung, Hall, XYZ-Position) eines der acht Taps angezeigt. Man kann ein Tap in den Grafiken per Mausklick anwählen oder auf eine der Ziffern 1 bis 8 klicken. Jeder Tap hat hier auch links neben der Zahl eine wählbare Option zur individuellen Aktivierung, bzw. Deaktivierung des jeweiligen Taps. Es gibt auch noch rechts neben den individuellen Parametern fünf globale Parameter wie Hoch-/Tiefpassfilter-Frequenzen, die Stärke einer Ducking-Funktion die bei eingehendem Signal das Effektsignal im Pegel mindert und eben noch das Mischverhältnis Original zu Effektsignal und sowie eine Justage des Ausgangspegel.

In dem Bereich lässt sich oben auch ein Algorithmus für den Halleffekt wählen (s. Abb. oben). Weiter gibt es eine Option SYNC mit der man eine Synchronisation mit dem Host-Software-Tempo aktivieren kann sowie einen Modus TAPE. Ist dieser Modus aktiviert dann wird beim Verschieben von Taps dafür gesorgt, dass es keine Störungen oder Unterbrechungen gibt. So hat man die Möglichkeit die Veränderung der zeitlichen Position kreativ zu nutzen. Durch die Aktivierung des Modus TAPE erhöht sich die Prozessorlast.

Die Größe des Plug-Ins ist fest vorgegeben und lässt sich nicht mit der Maus skalieren. Es gibt aber - und das ist eigentlich sogar die bessere Lösung - neben dem Modus FULL noch zwei die beiden weitere Darstellungsmodi SMALL und MINI. Bei SMALL wird die Grafik mit den Schiebereglern des angewählten Taps und der globalen Parameter ausgeblendet und die Panorama- und Übersichtsdarstellung sind nebeneinander angeordnet.

Bei dem Modus MINI werden nur noch wenige Parameter angezeigt, wie die Pegelanzeigen der einzelnen Kanäle, die Optionsschalter für die acht Taps sowie Schalter für TAPE und SYNC.
Praxis
Wir haben die Version 3.0.19 von Slapper getestet und zwar unter Windows 11 auf einer AudioKern B14 Workstation von Digital Audio Service unter Nuendo 14. Von der Installation bis hin zur Bedienung gab es keine Probleme. Die erforderlichen CPU-Resourcen sind im mittleren Bereich. Bei unserem Beispiel-Projekt stieg die Resourcen-Nutzung laut Nuendo Performance-Anzeige um ca. 15 Prozent im Mittel und bis maximal 20 Prozent in den Spitzen. Eine Aktivierung des Modus TAPE hatte dagegen, was die Resourcen-Auslastung angeht, erstaunlicherweise nur geringe Auswirkungen in der Praxis.
Die Oberfläche ist sehr gelungen und eigentlich komplett intuitiv zu bedienen. Lediglich bei einigen wenigen Bezeichnungen wie TAPE muss man vielleicht mal in die zehnseitige Anleitung schauen, die als PDF von der Herstellerseite heruntergeladen werden kann. Hier wird wirklich jeder Parameter erklärt und auch noch auf die Automation der Parameter eingegangen. Die Anzahl der bereitgestellten Werks-Preset ist erstaunlich hoch. Eigentlich braucht man so viele gar nicht, den das Anlegen eines Presets ist dank der einfachen Handhabung der Bedienoberfläche sehr schnell erledigt. Die Visualisierung in den Grafiken ist hier eine echte Unterstützung.
Dass das Eingangssignal für den Effektweg in ein Monosignal summiert wird ist auch kein Nachteil. Wenn man Eingangsmaterial hat, was sehr Stereo-lastig ist, dann kann man auch zwei Kanäle nutzen und das Plug-In für den linken und rechten Eingangskanal individuell behandeln. Bei mir kam da aber nie Bedarf danach auf. Die Verteilung der acht Taps im virtuellen 3D-Raum ist absolut ausreichend für einen dichten Klang der sehr viel immersive Räumlichkeit erzeugt.
Das Plug-In ist für verschiedenste Klangquellen nutzbar von Stimmen/Gesang über Instrumente von Synthesizern über Piano bis hin zu Gitarre und auch Percussion. Da möchte ich eigentlich nichts ausschließen. Produzenten von immersivem Audio, sowohl im Bereich der Pop-Musik als auch im Filmmusik-Bereich und auch Sound-Designer, werden an dem Plug-In sicherlich viel Freude haben.
Fazit
Der Preis der Stereo-Version liegt bei $169 und der der Mehrkanalvariante bei $439. Das ist für ein Delay-Plug-In schon ein stolzer Preis, aber in vielen Punkten bietet Slapper in der Mehrkanalvariante Leistungsmerkmale, die man in anderen Plug-Ins so nicht findet. Ein sehr interessantes Plug-In mit intuitiver Bedienoberfläche für die 3D-Audioproduktion, was ich auf jeden Fall häufiger nutzen werde.
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