SonicWorld Telsie S

Siemens W295b Equalizer Plug-In

Autor: Peter Kaminski | Fotos: Archiv

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Viele Equalizer und Filter aus den 70er und 80er Jahren sind legendär, so auch das Siemens W295b Präsenz/Absenzfilter, welches als Sitral-Kassettenmodul angeboten wurde. Nun wird der W295b auch als "Telsie S" vom neuen deutsche Hersteller SonicWorld angeboten. Vorgestellt wurde das Plug-In zum Jahresanfang 2026.

Voraussetzung und Installation

Das Plug-In wird für Windows-basierende DAWs sowie für macOS im VST3- und AAX- sowie für macOS auch im AudioUnit-Format angeboten.

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Für die Installation gibt es eine Installer-Software.

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Nach der Installation und dem erstmaligen Aufruf des Plug-Ins muss man das Plug-In für seinen Rechner aktivieren. Das Plug-In lässt sich maximal auf zwei Rechnern gleichzeitig nutzen.  

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Die Freischaltung erfolgt dann über den User Account bei SonicWorld. Auch lässt sich das Plug-In für eine 10-tägige Testphase installieren.

Siemens W295b Sitral-Kassette

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Hinter SonicWorld verbirgt Inhaber Jean Hund. Seine Firma akzent audio hat jahrelange Erfahrung im Umbau von Audiomodulen, bzw. Kassetten ins 19-Zoll-Format und so auch mit dem W295b (s. Abb. oben). Aber so langsam versiegen die Quellen und die Preise für die alten Geräte schießen in die Höhe. Für eine einzelne W295b Kassette muss man schon bis zu 2.000 Euro zahlen und die muss dann ja noch gegebenenfalls restauriert und in eine 19-Zoll-Aufnahme eingebaut werden. Was liegt da also näher als die Erfahrung die man mit dem Modul gemacht hat in eine Software zu überführen. Das haben auch schon viele andere gemacht wie Arturia, SoundToy oder Korneff. Sonic World ist also nicht der Erste, aber hat hier eben viel Erfahrung.

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In den 70er-Jahren wurde der Umstieg von der Röhren- zur Transistortechnik eingeleitet. So kommen in der W295b-Kassette rauscharme Siliziumtransistoren des Typs BSX45/10 und BCY66 sowie BCY58 von Siemens zum Einsatz. Die eingesetzten Widerstände hatten zwei Prozent Toleranz und einen Temperaturkoeffizienten von 200 ppm. Für damalige Verhältnisse also alles sehr hochwertige Bauelemente, was nicht verwundert, denn die Sitral-Kassettentechnik war für den Einsatzbereich im Rundfunk konzipiert und da kam immer nur das Beste vom Besten zum Einsatz. Im Verhältnis zur Digitaltechnik gibt es natürlich eine gewisse Streuung und leichte Klangunterschiede von Modul zu Modul, wie durch die Toleranzen zum Beispiel der Kondensatoren der RC-Netzwerke. Der Verstärker ist in Class A-Technik aufgebaut mit Eingangs- und Ausgangsübertragern. Durch die Spannungsversorgung von 24 Volt ist auch für entsprechender Headroom gesorgt.  

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Der W295b bot drei Filter und zwar jeweils ein Shelving-Filter für die Anhebung, bzw. Absenkung (+/- 15 dB in 3-dB-Schritten) der Bässe und der Höhen und ein Bandpass/Notch-Filter mit schaltbarer Mittenfrequenz von 0,7 bis 5,6 kHz in sechs Stufen (+/- 8 dB in 2-dB-Schritten). Also durchaus sehr überschaubare Regelmöglichkeiten beim Original.

Bedienung

Kommen wir nun zur Software-Umsetzung des W295b in Form des Telsie S Plug-Ins von SonicWorld. Die Plug-In-Größe lässt sich mit der Maus stufenlos einstellen.

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Oben im Kopf kann man über zwei Pfeile eine Preset-Wahl vornehmen oder direkt durch die Anwahl einer Preset-Datei (s. Abb. oben).  

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Schon bei der Betrachtung der oberen Hälfte des Plug-Ins wird deutlich, dass man hier auf einiges mehr Zugriff hat, als beim Original-Filter. So lassen sich neben den Low- und High-Shelving-Filter auch Peak-Filter nutzen und zwar beim Low-Filter mit fünf zusätzlichen Frequenzen und beim High-Filter mit zwei zusätzlichen Frequenzen. Die neuen Optionen sind hier durch rote Schriftzüge gekennzeichnet. Jedes Band lässt sich individuell aktivieren oder deaktivieren.

Neu sind auch die individuell zuschaltbare Harmonics-Funktion für die drei Bänder. Mit dem Regler "Drive" wird die Stärke der Harmonischen eingestellt und mit dem Parameter "Out" der Pegel der dem Originalsignal hinzugefügt wird. Über den Taster "Link" lassen sich die Regler Drive und Out koppeln, so dass sie sich gegenseitig verändern. Erhöht man den Ausgangspegel so wird im gleichen Maße der Drive verringert.

Mit dem Schalter "AIR" wird der Frequenz-Wirkungsbereich des High-Filters zu hohen Frequenzen erweitert. Das wird aber natürlich bei höheren Abtastraten als 44,1 kHz in der DAW besonders deutlich. 

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In der unteren Hälfte gibt es nun zwei weitere Erweiterungen gegenüber dem Original und zwar individuell zuschaltbare Low-Cut- und High-Cut-Filter (Filtersteilheit 12 dB/Okt.) mit einstellbarer Grenzfrequenz (20 Hz bis 22 kHz). Dann lassen sich die Übergangsfrequenzen zum Mittenband (100 Hz bis 1,2 kHz sowie 5,6 bis 20 kHz) verändern. Die eingestellten Werte werden unten in einem Display-Feld als Zahlen angezeigt. Auch lässt sich der Master-Ausgangspegel über einen Regler noch anpassen.

Es gab auch schon kurz nach der Veröffentlichung das erste Update. Hier wurde unter anderem die Funktion "Linear Phase" hinzugefügt. Mehr dazu im Praxisabschnitt.

Praxis

Getestet wurde das Plug-In in der Version 1.1.1 als VST3-Plug-In unter Windows 11 in WaveLab 13 und Nuendo 14 auf einer AudioKern B14 DAW von Digital Audio Service. Das Plug-In benötigt keine großen CPU-Resourcen. Bei Wavelab 13 stieg die Auslastung bei Hinzufügen des Plug-Ins in die Bearbeitungskette im Windows Task-Manager von 0,8 Prozent auf 1,6 Prozent. Bei Nuendo stieg die Performance-Anzeige von einem Grundwert von ca. 7 bei Plug-In-Aktivierung auf 10 Prozent. Also alles sehr moderat was die CPU-Auslastung angeht. Der Installationsvorgang ist problemlos und einfach.

Nun zum Klang. Alle drei Bänder bieten sehr gute Beeinflussungsmöglichkeiten. Der Bassbereich lässt sich sehr schön und präzise herausarbeiten. Gleiches gilt für die Höhen. Besonders interessant wird es, wenn man die Optionen nutzt, die über die Möglichkeiten des Originals hinausgehen. Das sind einmal die zusätzlichen Filter bei Low- und High-Band aber besonders haben mir die veränderbare Bandübergangsfrequenzen gefallen. Hier empfiehlt es sich die X-Over Low-Mid nach unten und die des Mid-High nach oben zu verändern. Damit kann man dann noch präziser am Bass und den Höhen arbeiten. Übrigens gibt es ja nun den etwas verstecken Linear-Phase-Schalter. In der Version 1.0 des Plug-Ins gab es den noch nicht und die Phase wurde etwas beeinflusst. Bei Aktivierung entspricht sie mehr dem Originalverhalten. Ich kann aber trotzdem mal empfehlen, die Linear Phase auch mal alternativ auszuschalten und zu hören. Manchmal gefiel mir das sogar besser.  

Der Einsatzbereich ist sehr breit und man kann sicherlich den EQ auch in einem Kanalzug einsetzen. Ich selber würde aber den Einsatz in einem Bus-Master oder dem Master-Kanalzug oder auch im Mastering-Einsatz empfehlen. Gerade mit dem WaveLab 13 an schon bestehendem und auch schon gemastertem Material konnte man noch etwas mehr herausholen. Die Höhen klingen bei entsprechender Einstellung sehr "seidig". Dank der vielen, hinzugekommenen Optionen wie X-OVER und Harmonics oder die individuellen Aktivierungsschalter für jedes einzelne Band, sind die Ergebnisse eindeutig besser als beim Original. Das macht eigentlich auch den Telsie S aus, nämlich den sehr guten Grundklang des Originals kombiniert mit neuen, zusätzlichen Möglichkeiten. Das vermisse ich an den Plug-Ins anderer Hersteller, die den W295b simulieren, aber es bei einer reinen Simulation belassen und auch so alle Schwächen des Originals übernehmen. Hier geht der Telsie S andere Wege. 

Fazit

Der Preis für Telsie S liegt bei 129 Euro/US$, was absolut angemessen ist. Das Konzept und die Umsetzung überzeugt denn man hat hier Bestehendes mit Neuem vereint, frei nach dem Motto: was gut ist kann man auch noch besser machen. Man hat hier auf einer Seite den W295b-Filter sehr gut simuliert, aber die neuen Optionen, die über die W295b-Funktionalität hinausgehen, bereichern das Plug-In doch enorm. Für alle, die im Bus, im Master oder auch im Mastering-Prozess selber Optimierungen vornehmen möchten ist der Telsie S genau die richtige Wahl. 

www.sonicworldplugins.com