PSPaudioware Tilt-Q

Tilt-Filter in Kombination mit Contour- und Hoch/Tiefpass-Filtern

Autor: Peter Kaminski

00

PSPaudioware ist ein Plug-In-Anbieter aus Polen mit ganz interessanten Plug-Ins, auch für Mehrkanal-Audio, aber auch ganz praktische Werkzeuge wie zum Beispiel das Aussteuerungs- und Lautheits-Mess-Plug-In PSP Metra, was wir auch schon getestet haben. Hier möchten wir nun den Tilt-Equalizer PSP Tilt-Q vorstellen, der seit März 2026 verfügbar ist.

Voraussetzung und Installation

Das Plug-In gibt es sowohl für Windows (ab Windows 7) als auch für macOS (ab Version 10.14) und zwar in den Plug-In-Formaten VST, VST3, AAX und auch für AudioUnit (macOS). Als Kopierschutz wird iLok (ab Generation 2) verwendet. Aber auch eine Nutzung ohne Dongle ist direkt für den Rechner möglich. Bis zu drei Lizenzen lassen sich installieren.

01

Die Installation erfolgt, wie bei PSPaudioware üblich, über eine Installations-Software, über die sich die einzelnen Format individuell installieren lassen. Es gibt auch eine Möglichkeit das Plug-In für 30 Tage zu testen und das ohne Funktionseinschränkungen. Dazu benötigt man allerdings ein Kundenkonto bei PSPaudioware.

Bedienung

Zu den genauen Filterfunktionen die der PSP Tilt-Q bietet kommen wir gleich im weiteren Verlauf des Beitrags. Zunächst einmal ein Überblick über Konfiguration und Presets.

03

Oben rechts lässt sich der Dialog für die globalen Einstellungen aufrufen. Hier kann man das Manual einsehen und die Maus-Over-Erklärungen für die einzelnen Schalter und Regler aktivieren, bzw. deaktivieren. 

02

Für viel Anwendungen stehen 80 Werks-Presets bereit. Wie wichtig Werks-Presets bei Equalizer sind möchten wir hier nicht bewertet, aber sie bieten auf jeden Fall eine gute Basis für eigene Einstellungen. Im Kopf darüber gibt es virtuelle Raster für das Speichern, Kopieren, Management von zwei Vergleichsspeichern (A/B) sowie Undo-/Redo-Funktion und auch die Darstellungsgröße des Plug-In-Fensters lässt sich hier in der Größe anpassen. 

05

Und nun kommen wir zum Wichtigsten. Oben wird eine grafische Darstellung des Übertragungsbereichs sowie Pegeldarstellung als 31-Band-Bargraf-Analyzer geboten. In der Grafik werden die Filterfrequenzen markiert und ein Punkt symbolisiert die Gesamt-Wichtung. Link und rechts am Rand lassen sich noch verschiedene Parameter umschalten, bzw. verändern wie: die Darstellung EQ, Spektrum oder beides, die Spitzenwertdarstellung (aus, markieren oder mit Hüllkurvendarstellung), RMS-Darstellung, Referenzpegel, Darstellungsbereich und wo welches Spektrum dargestellt werden soll (vor oder nach dem Equalizer). Über des Schalter CLOSE, der auch in der unteren Sektion verfügbar ist, lässt sich der ganze obere Block mit dem Übertragungsbereich ausblenden.  

06

Nun schauen wir uns einmal die Filter an, die der Tilt-Q bietet. Jedes der vier Filter lässt sich einzeln aktivieren und deaktivieren. Oben hat man mit dem ALL IN einen Schalter um den gesamten Bearbeitungspfad zu umgehen und daneben einen Schalter für eine Phasenumkehrung. Die Berechnung erfolgt mit 64-Bit-Double-Presicion.

Folgende vier Filtersektionen stehen zur Verfügung:

  • Hochpassfilter mit 6/12/24 dB/Okt. und Filtergrenzfrequenz von 10 Hz bis 1 kHz,
  • Tiefpassfilter mit 6/12/24 dB/Okt. und Filterfrequenz von 200 Hz bis 2 kHz,
  • ein Tilt-Filter mit drei verschiedenen Verläufen und mit einstellbarer Grenzfrequenz von 200 Hz bis 2 kHz und +/-15 dB Gain,
  • ein Contour-Filter mit drei Verschiedenen Verläufen und einstellbarer Grenzfrequenz von 200 Hz bis 2 kHz und +/-15 dB Gain.

Über den Schalter LINK lassen sich Tilt- und Contour-Filterfrequenzen synchronisiert, bzw. gleichzeitig mit gleicher Frequenz einstellen.

Hier noch einmal eine kurze Information, für diejenigen, die mit Tilt- und Contour-Filtern noch nicht so viel anfangen können. Tilt-Filter gibt es schon sehr lange und es werden auch Tilt-Filter-Plug-Ins von anderen Herstellern angeboten. Mit ihnen lässt sich das Verhältnis von tiefen zu hohen Frequenzanteilen bezogen auf eine Übergangsfrequenz einstellen, bzw. balancieren. Contour-Filter sind im Prinzip breitbandige Bandpass/Bandstopp-Filter aber mit speziellen Übertragungskurven.

In der ganz rechten Sektion lässt sicher der Ausgangspegel über den Regler OUTPUT anpassen. Ein virtueller LED-Indikator warnt vor Übersteuerung. Unten in dieser Sektion lässt sich noch der Kanal-Bearbeitungsmodus einstellen also Stereo, nur linker oder rechter Kanal sowie Mitten- oder Seitensignal.

Praxis

Wir haben den Tilt-Q auf einer AudioKern B14 DAW von Digital Audio Service unter Windows 11 und Steinberg Wavelab 13 und Nuendo 15 als Host-Applikationen getestet. In Wavelab 13 stieg bei Benutzung die Prozessorlast bei einer Abtastrate von 48 kHz im Play-Betrieb von 0,8 auf ca. 1,3 %. In Nuendo 15 zeigt die Performance-Anzeige im POLay-Betrieb zwischen aktivem und entferntem Plug-In kaum ein Unterschied an. Die Prozessorbelastung ist also minimal.

Die Bedienung des Plug-Ins ist absolut einfach und bei den meisten Dingen selbsterklärend. Probleme gab es mit dem Plug-In keine. Eine Auffälligkeit war, dass bei Änderungen von Reglern oder in der Grafik beim Undo auch mal Zwischenschritte gespeichert wurden, so dass man mal zwei oder dreimal auf Undo oder Redo klicken musste, um auf die Einstellung zurückzukommen. Wenn man etwas in der Bewegung stoppt, dann wird das als einzelne Einstellung erkannt. Das war es aber auch schon an Auffälligkeiten.  

Obwohl Tilt-Filter gerade für einen Summe- oder im Main-Kanal sowie besonders im Mastering extrem hilfreich sind, kommen sie heutzutage nicht so oft zum Einsatz. Der Grund hierfür liegt wahrscheinlich in dem Bekanntheitsgrad zu suchen. Auch in für Gesang oder gerade im Bereich Chöre lassen sie sich hervorragend einsetzen und das ist bei dem Tilt-Q nicht anders. Durch die Kombination mit dem Contour-Filter ergeben sich hier noch mehr Möglichkeiten als mit einem reinen Tilt-Q. Eine gelungene Filter-Kombination.

Wer noch nicht mit Tilt-Filtern gearbeitet hat, der sollte das unbedingt nachholen, denn damit lässt sich sehr feinfühlig eine Balance von Höhen und Bässen einstellen, um so einen gewünschten Basisklang zu erzielen. Dank der internen 64-Bit-Double-Presicion-Verarbeitung arbeiten die Filter auch sehr präzise und ohne Artefakte und sind so auch ohne Einschränkungen für das anspruchsvolle Mastering geeignet. Für die Ein- und Ausgangs-Streams werden sowohl 32- als auch 64-Bit-Floating-Point-Formate unterstützt. Übrigens lässt sich PSP Tils-Q mit Abtastraten von bis zu 384 kHz einsetzen.

Fazit

Beziehen kann man PSP Tilt-Q über die Herstellerseite oder über den Online-Fachhandel. Der Preis beträgt ca. 70 US$ und das ist absolut angemessen. Für mich eine absolute Empfehlung. Jeder der mischt oder Mastering durchführt sollte ein Tilt-Filter in seinem Plug-In-Repertoire haben und mit dem PSP Tilt-Q macht man da nichts falsch. 

www.pspaudioware.com