GForce Sequential Prophet-5
Virtualisierung eines Klassikers und noch viel mehr
Autor: Peter Kaminski
Im Juni 2026 stellte GForce Software eine Virtualisierung des Sequential Prophet-5 vor. GForce ist ja ein Spezialist im Modellieren von Vintage-Synthesizern. Wir haben auch schon sehr viele Instrumente von GForce vorgestellt wie: TVS Pro, GForce OB-1, OB-X, Oberheim SEM und OB-E v2, GForce Oddity3 und M-Tron Pro und M-Tron MkII. Es ist ja nicht die einzige Virtualisierung eines Prophet-5 und wir werden sehen wie sich die GForce Software schlägt.
Das Original
Zunächst werfen wir einmal einen Blick auf das Original, das 1978 von Sequential Circuits und seinem Inhaber und Entwickler Dave Smith vorgestellt wurde. Der Prophet-5 war der erste polyphone Synthesizer, bei dem man auch Presets speichern konnte und zwar in mehreren Bänken zu je acht Presets. Er bot fünf Stimmen mit jeweils zwei Oszillatoren, nachgeschalteten Tiefpassfilter mit 24 dB/Oktave und ADSR-Hüllkurvengeneratoren für Filter und VCA sowie ein LFO zur Modulation. Im Laufe der Zeit gab es auch verschiedene Entwicklungsstufen und Varianten.
Die Generation 1 mit ca. 180 Exemplaren und die Generation 2 mit ca. 1.000 Geräten basierte komplett auf Integrierte Schaltungen von SSM und es kam für die Oszillatoren der SSM2030 und für die Filter der SSM2050 zum Einsatz. Bei der Generation 3 von der ca. 6.000 Stück verkauft wurden, wechselte man zu einem Chip-Satz von Curtis und es wurde nun für die Oszillatoren CEM3340 und ein CEM3320 für die Filter eingesetzt, die als zuverlässiger galten. Zwischen den Versionen gibt es durchaus einen hörbaren Klangunterschied, besonders bei den Filtern. Der SSM-Filter-Chip klingt etwas wärmer während der von Curtis etwas härter und bissiger wirkt.
In den 1980er Jahren wurde Sequential Circuits insolvent und verschwand vom Markt. Die Markenrechte von Sequential Circuits übernahm YAMAHA. Als Dave Smith seine Markenrechte wieder zurückbekam, benannte er seine Firma Dave Smith Instruments wieder in Sequential Circuits um und 2020 wurde der Prophet-5 in einer modernen vierten Variante mit CEM-Oszillator-Chips, neuer Tastatur mit Anschlagdynamik und After Touch sowie umschaltbaren Filtern (SSM/CEM) und MIDI angeboten. Selbst bei der Version 3 gab es nur ein MIDI-Nachrüstsatz obwohl Dave Smith maßgeblich bei der MIDI-Standardisierung mitwirkte. In der weiteren Entwicklung wurde eine Prophet-5 Desktop-Version ohne Tastatur sowie mit dem Prophet-10 auch noch eine Version mit doppelter Stimmenanzahl angeboten.
Der Prophet-5 wurde zu einer klanglichen Icone einer ganzen Musikgeneration und wurde von so vielen bekannten Künstlern eingesetzt, dass es überhaupt keinen Sinn macht, einige auszugsweise zu nennen, was wir sonst eigentlich immer machen.
Installation und Lizenzierung
Der GForce Sequential Prophet-5 wird als Stand-Alone-Software und als Plug-In in den Formaten VST2, VST3, AAX und AUdioUnit (macOS) geliefert. Der Betrieb ist ab Windows 7 mit Intel i5, bzw. Ryzen 5 als Mindestanforderung möglich und ab macOS 10.15 mit Intel oder Apple Silicon-Prozessoren. Eine weitere Anforderung ist mindestens 8 GB RAM.

Für die Installation ist ein Anwenderkonto bei GForce erforderlich. Je nach Art des Kaufes steht die Lizenz direkt im Kundenkonto bereit oder muss über einen Product Key dort angelegt werden (s. Abb. oben).

Danach lässt sich die Installations-Software herunterladen und der Lizenzcode in die Ablage kopieren.

Die einzelnen Formate lassen sich über den Installer individuell installieren (s. Abb. oben).

Beim ersten Aufruf der Software oder des Plug-Ins wird der Lizenzcode abgefragt. Man kann ihn nun aus der Ablage reinkopieren, bestätigen und das war es auch schon. Übrigens gibt es die Möglichkeit die Software im Demo-Modus eine Woche zu testen.
Bedienungskonzept
Stand-Alone-Software und Plug-Ins sehen bis auf den Kopf nahezu identisch aus. Über ein Icon im Kopf kann man zwischen der erweiterten Anzeige (Eingangsbild) und der Ansicht ohne die Erweiterungen (s. Abb. hier oben) umschalten. Alle Bedienelemente des Synthesizers sind auf der Oberfläche direkt im Zugriff.

Über das Zahnradsymbol kommt man auf den Dialog mit den grundsätzlichen Einstellungen (s. Abb. oben, Stand-Alone-Software). Im Plug-In gibt es natürlich deutlich weniger einzustellen, wie zum Beispiel die Buchstabengröße beim Patch Browser.
Die Preset-Verwaltung erfolgt über den Patch Browser und ist wie bei allen GForce-Instrumenten sehr übersichtlich und der Anwender kann Presets nach vielen Kriterien suchen und es gibt auch Markierungen für Favoriten. Es wird bei Aktivierung von "Audition" bei Anwahl eines Presets in der Verwaltung und auch auf der normalen Bedienoberfläche der Sound kurz angespielt.

Über Anklicken von "Prog Change" lassen sich dann in einer Liste für die 128 MIDI Program Change entsprechende Presets zuordnen (s. Abb. oben).

Bei Anwahl des Save-Icons geht ein Dialog zum Speichern auf, wo man verschiedenste Parameter und Kategorien setzen kann (s. Abb. oben).
Detailbedienung

Ganz links gibt es drei Sektionen für Modulationsfunktionen. Oben lassen sich Ziele und Modulationsgrad einstellen darunter ist eine LFO-Sektion wo sich auch verschiedene Wellenformen anwählen lassen und unten kann der Anwender noch die Ziele für das Modulation Wheel und den Modulationsgrad anwählen und einstellen.

Die nächste Sektion daneben ist die Oszillator-Sektion. Oszillator 1 bietet Sägezahn und Rechteck-Wellenform mit Pultbreiteneinstellung und eine Synchronisation mit Oszillator 2, der auch noch zusätzlich Dreieckwellenform bietet. Über einen Mischer lassen sich die Pegelanteile einstellen und es lässt sich auch noch Rauschen hinzumischen. Über den Regler VINTAGE lässt sich auch der Grad einer Verstimmung der Tonhöhe, wie sie bei Instrumenten in der Zeit üblich war, einstellen. Darunter sind verschiedene Stimmen-Betriebsarten anwählbar, wobei sich Stimmen auch Unisono mit einem einstellbaren Detune-Wert spielen lassen. Auch eine Glide-Funktion zwischen den gespielten Noten kann man aktivieren und die Zeit dafür einstellen.

In der nächsten Sektion lassen sich die Filterparameter einstellen. Hier kann man über den Schalter REV zwischen der SSM- (1/2) und CEM-Filter-Charakteristik (3) umschalten, wie auch beim Prophet-5 der vierten Generation. Daneben ist der VCA einstellbar. Sowohl für das Filter als auch für den VCA gibt es jeweils einen eigenen ADSR-Hüllkurvengenerator. Ein zweiter nachgeschalteter VCA gestattet die Modulation über Velocity und Aftertouch auf gewählte Zielparameter. Unten lassen sich auch noch Presets für zwei Layer auswählen, die jeweils bis zu 10 Stimmen bieten. Also eigentlich ist der GForce Prophet-5 ein Prophet-10.

Neben der Tastatur gibt es auch noch die beiden virtuellen Wheels sowie Möglichkeiten den Oktavbereich der Tastatur festzulegen und auch ein Stereo-Panorama-Modus auszuwählen. Die Prophet-5-Hardware auch der vierten Generation ist ja nur Monophon und verfügt über keinen Stereoausgang.

Auch ein Arpeggiator sowie eine Akkord-Spielfunktion ist vorhanden (s. Abb. oben).

Kommen wir nun zu der Erweiterungsfunktionen. Schon bei der normalen Oberfläche ohne die Erweiterungen gibt es einige Funktionen, die bei der Original-Hardware nicht geboten werden. Bei den Erweiterungsfunktionen die sich oben einblenden lassen sind alle Funktionen die dort angeboten werden in der Original-Hardware nicht vorhanden, wie ein zusätzlicher LFO mit Sample & Hold sowie Fade-In- und Phase-Lock-Funktion sowie ein zusätzlicher mehrstufiger Hüllkurvengenerator, die auf die Parameter des Prophet-5 wirken können.

Dazu wählt man einen Parameter aus, der dann an den Ecken rot markiert wird (s. Abb. oben) und dann lässt sich die entsprechende Modulation über den XLFO und XADSR einstellen.

Der Original-Hardware-Synthesizer bietet auch in der Version 4 keine internen Effekte. Bei der GForce Software-Lösung ist dies aber der Fall (s. Abb. oben). Hier stehen vier Effekt-Slots bereit, die sich sowohl für den Layer A als auch B zuschalten lassen.

Als Effekte lassen sich in jeden Slot Chorus, Phaser, Distortion, Filter, Tremolo und ein Kompressor nutzen.
Auch Steuerung aller Parameter über MIDI Control Change Parameter ist möglich (s. Abb. oben). Dazu muss man einfach die Funktion CC unten in der Leiste und dann ein Zielparameter anwählen und über MIDI den entsprechenden Controller aktivieren, in dem man ihn verändert, wie in unserem Beispiel im Bild das Modulation Wheel einer angeschlossenen MIDI-Tastatur. Bemerkenswert ist auch noch, dass das GForce Prophet-5 auch MPE unterstützt.
Praxis
Ich finde es besonders positiv, dass GForce auch eine Stand-Alone-Software bietet, um das Instrument ohne Host-Software, zum Beispiel live, spielen zu können. Für die Stand-Alone-Version unter Windows 11 auf einer AudioKern B14 Workstation von Digital Audio Service wurden maximal 1,2 % CPU Resourcen benötigt. Das ist also sehr wenig. In Nuendo 15 als VST3-Plug-In waren es dagegen je nach Spielweise und Stimmen, bzw. Layer zwischen 30 und 45 % in der Performance-Anzeige in den Spitzen, also durchaus schon eine erwähnenswerte Größe.
Die Bedienung der klassischen Prophet-5 Parameter und der zusätzlichen Funktionalität ist gut integriert oder entsprechend getrennt in dem Erweiterung-Dialog oben zugänglich. Alles ist sehr durchdacht. Das Bedienkonzept ist in allen Instrumenten von GForce in ähnlicher Form zu finden und wenn man mit einem Instrument von GForce schon mal zu tun hatte, ist es sehr leicht sich da zurecht zu finden. Aber auch Anwender die erstmalig ein GForce-Produkt nutzen dürften nur selten einen Blick in die Bedienungsanleitung werfen müssen.
Die GForce Prophet-5 Software ist eine sehr gute Symbiose zwischen dem Anspruch möglichst nah dem Original zu kommen und gleichzeitig neue sinnvolle Leistungsmerkmale zu bieten, wie die beiden Layer, Stereo-Ausgang, zusätzliche Modulations- und MIDI-Kontrollmöglichkeiten sowie Effekte. Es gibt ja auch Prophet-5 Software, bzw. Plug-Ins von anderen Herstellern aber vom Funktionsumfang bietet die GForce Software noch am meisten. GForce Prophet-5 bietet übrigens neben allen 38 Original-Presets des Prophet-5 von 1978 noch weit über 400 zusätzliche Presets und nicht nur Presets für eine Demo, sondern Presets, die sich auch sehr gut in der täglichen Praxis einsetzen lassen.
Ich bin eigentlich kein Freund von Vergleichen aber ich muss diesmal eine Ausnahme machen. Wie schon erwähnt gibt es auch virtuelle Prophet-5 Instrumente von anderen Herstellern. Im Vergleich klingt dass REPRO-1 von u-he für mich etwas dünner und nicht so kräftig wie das Original. Arturia's Prophet-5 V klingt schon deutlich näher am Original aber am nächsten kommt der Sequential Prophet-5 von GForce. GForce bezeichnet sein Prophet-5 Instrument als "Official Endorsed by Sequencial Circuits". Die Entwicklung lag bei GForce, aber die Feinabstimmung fand im engen Kontakt mit Sequential statt. Das ist bei den anderen Virtualisierungen eben nicht der Fall und das merkt man klangllich auch.
Fazit
Der reguläre Preis des GForce Sequential Prophet-5 liegt bei knapp unter 120 Euro. Das ist für den Leistungsumfang und der klanglichen Umsetzung schon fast ein Schnäppchenpreis. Man kann eigentlich allen die nach einer Simulation eines Prophet-5 suchen, den GForce Sequential Prophet-5 ohne Einschränkungen empfehlen.
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