Soma Warp
Multi-Effektgerät für Live-Anwendung
Autor und Fotos: Peter Kaminski

Wir habe ja schon mehrere Produkte des Herstellers Soma getestet, wie Cosmos und Flux inklusive der Break Out Box. Alle Produkte des Herstellers Soma sind schon etwas spezieller, es wird viel Wert auf Haptik gelegt und auch klanglich geht man spezielle Wege. Auf der EU-Web-Site beschreibt man das mit Romantic Engineering - eine ganz charmante und zutreffende Umschreibung wie ich finde, denn es ist auch ein Konzept von Soma Vintage-feeling mit modernen Technologien zu verbinden. So auch, wenn man das schon einmal vorwegnehmen möchte, beim Soma Warp, ein Multieffekt-Gerät, was im November 2025 vorgestellt wurde.
Abschlüsse und Technische Daten

Im Lieferumfang des Warp befindet sich ein universelles Steckernetzteil (100 ... 240 V, 50/60 Hz) mit Adaptern für die gebräuchlichsten Steckervarianten. Auf der Geräteseite kommt eine klassische Hohlstecker-Buchse (5,5/2,1 mm, Plus-Pol in der Mitte) zum Einsatz, so dass man das man das Gerät auch mit einer anderen 12-Volt-Betriebsspannung versorgen kann. Der Betriebsstrom, beträgt ca. 0,25 Ampere. Warp ist mit 220 * 170 mm Grundfläche und 70 mm Bauhöhe (Gewicht 1,5 kg) allerdings etwas größer als typische Gitarren-Effektgeräte und mehr für den Desktop-Betrieb ausgelegt.
Die Ein- und Ausgänge sind zwar unsymmetrisch, aber die 6,3-mm-TRS-Buchsen sind so beschaltet, dass sich auch symmetrische Eingangsquellen und Ziele anschließen lassen. Ein- und Ausgänge sind als Stereo ausgelegt. Wird aber nur ein Ein- oder Ausgang angeschlossen, so arbeitet der Ein -oder Ausgang dann in Mono. Die Eingangsimpedanz beträgt 50 Kiloohm und die Ausgangsimpedanz 100 Ohm. Der Hersteller gibt eine minimale Eingangsspannung von 0,35 Volt Peak/Peak und eine maximale von 8,3 Volt Peak/Peak an. Die Abtastrate beträgt 48 kHz bei einer Wortbreite von 24 Bit. Der Übertragungsbereich wird mit 10 Hz bis 22 kHz angegeben. Die Berechnung erfolgt intern mit einer Wordbreite von 32 Bit.
Auch auf der Front befinden sich Anschlüsse und zwar fünf 3,5-mm-Klinkenstecker-Buchsen. Über diese CV-Eingänge lassen sich verschiedene Parameter kontrollieren. Der Spannungsbereich ist, wie bei Eurorack-Modulen üblich, 0 bis 5 Volt. Die Eingangsimpedanz beträgt hier 50 Kiloohm.
Es lassen sich auch Firmware-Updates einspielen. Dazu muss man das Gerät öffnen (s. Abb. oben) und es steht dann eine Buchse (s. roter Pfeil in der Abb.) für ein USB-Stick zur Verfügung. Am oberen Rand ist noch ein Druckschalter zur Aktivierung des Updates während des Einschaltens. Ein korrekt durchgeführtes Update wird durch mehrfaches Leuchten der LEDs auf der Front von oben nach unten angezeigt. Wir haben so die zum Testzeitpunkt aktuelle Firmware 1.1 problemlos installiert.
Konzept und Algorithmen
Bevor wir auf die Bedienung zu sprechen kommen, möchten wir einmal die 15 verschiedenen Algorithmen, bzw. Effekttypen vorstellen, die Warp zu bieten hat. Zu jedem Algorithmus gibt es vier veränderbare Parameter. Die Effekte werden von Soma in vier Gruppen klassifiziert und durch unterschiedliche LED-Farben symbolisiert:
- 5 x Reverb Effects (Blau),
- 3 x Delay Effects (Grün),
- 3 x Special Effects (Gelb),
- 4 x Master Effects (Rot).
Kommen wir nun zu den einzelnen Algorithmen. LUSH REVERB ist ein auf Delay Lines basierender Hall. Bei sehr kurzen Decay-Zeiten wird dabei ein Chorus-Effekt erzeugt. INFINITY REVERB ist ein klassischer Hall der eine große Halle simuliert, der bei großen Decay-Zeiten in einem endlosen Klang übergeht bis hin zu Selbstgeneration von Klanggebilden. Auch alle anderen Hallalgorithmen biete bei entsprechend hoch eingestellten Zeiten einen endlosen Klang. GENERATIV REVERB ist ein experimenteller Halleffekt. In dem Algorithmus lässt sich auch die Resonanzstärke der Hoch- und Tiefpassfilter anpassen. GRANULAR SHIMMER ist ein Granular-Halleffekt mit Tonhöhenverschiebung und GRANULAR REVERB ein experimenteller Granular-Halleffekt mit in der Stärke stufenlos einstellbarem Reverse-Hall.
Nun zu den drei Delay-Effekten, die bei sehr hohen Feedback-Einstellungen auch in einen endlosen Klang übergehen. Der Name LO-FI DELAY spricht für sich. MICRO LOOPS und MICRO LOOPS REVERB sind Effekte mit drei Loops in einem großen Audiopuffer, sehr ähnlich wie man das vom Soma Cosmos her kennt.
Die Spezialeffekte bieten unter anderem einen Flanger, der sich über dessen Verzögerungszeit über einen Hüllkurven-Follower moduliert werden kann. Das heisst also, dass die Lautstärke einen Einfluss auf die Verzögerungszeit hat. Der Grad dieser Modulation lässt sich einstellen. NYQUST ist ein Abtastratenwandler mit einem integrierten Bit Crusher, also einer Reduzierung der digitalen Wortbreite. Weiter gibt es in dieser Effektgruppe noch mit OLD TAPE einen Bandmaschinen-Simulator mit regelbarem Wow- und Flicker-Effekt sowie Rauschen und Bandsättigungs-Effekt.
Die sogenannten Master-Effekte sind drei Dynamik-Effekte und ein Filter. PUMP ist ein extremer Kompressor-Effekt mit in der Stärke regelbarem Bass-Booster und zuschaltbarem Noise Gate. MULTIBAND DRIVE bietet eine Verzerrung aufgeteilt in drei Frequenzbändern und über den Parameter FAT eine regelbare Anhebung der Harmonischen. Bei hohem FAT-Einstellungen kommt es zu einer Selbstoszillation. Der dritte Effekt ist ein WAVEFOLDER mit schaltbarem Noise Gate. Dann gibt es noch mit HPF LPF einen klassischen Filter-Algorithmus mit Hoch- und Tiefpass und einstellbaren Filterfrequenzen sowie Filterresonanz-Stärke. Wenn die Hochpass-Frequenz tiefer als die Tiefpass-Frequenz ist, werden die beiden Filter in Serie geschaltet. Ist die Hochpassfrequenz höher, so arbeiten die Filter im Parallelbetrieb.
Bedienung

Nun zur Bedienung des Warp. Auf der linken Seite gibt es Regler für Eingangsempfindlichkeit, Ausgangspegel und Effektanteil. Über zwei Touch-Sensoren kann man den gewünschten Effekt auswählen (hoch oder runter). Über eine LED wird der gewählte Effekt markiert. Die vier regelbaren Parameter der Algorithmen sind auf der Frontplatte aufgetragen und so den entsprechenden Reglern zugewiesen. Presets gibt es nicht. Neben den vier veränderbaren Parametern kann auch der Effektanteil über eine externe Steuerspannung kontrolliert werden. Durch schnelles, dreimaliges Berühren beider Sensoren werden diese gesperrt, bzw. entsperrt.
Praxis

Die Verarbeitung ist sehr gut und das Metallgehäuse mach einen sehr robusten Eindruck. Man sieht schon an der sehr kurzen Beschreibung der Handhabung des Warp, wie einfach und direkt diese ist. Keine verschalteten Menüstrukturen, sondern direkte Bedienelemente für alle Regelfunktionen, die auch noch über den Aufdruck auf der Gerätefront klar zugewiesen sind. Daher ist Warp ideal für Live-Anwendungen, denn das Konzept gestattet es im Live-Betrieb Parameter zu ändern, wie Filter-Cut-Off und Hallzeiten dynamisch zu ändern, Selbstoszillation zu forcieren und so auch musikalische Akzente zu setzen.
Effektgeräte sind in der Regel anders aufgebaut: viele Parameter und aufrufbare Presets, also eher als zuschatbarer Effekte konzipiert. Warp gibt einem da mehr dynamische Echtzeit-Gestaltungsmöglichkeit und Einflussnahme. Auch für den Einsatz zusammen mit modularen Synthesizern, beziehungsweise Eurorack-Modulen, ist Warp dank seiner CV-Eingänge gerüstet. So lassen sich auch komplexere Abläufe über einen Step-Sequenzer oder über andere Modulationsquellen realisieren und damit sehr interessante Effekte erzielen, die sich mit anderen Multieffektgeräten so eben nicht realisieren lassen.
Wir haben den Soma Warp auch mit dem Soma Flux zusammen getestet. Ein Sound-mäßig ideales Paar. Man bekommt hier doch deutlich mehr an Effektpotential als mit den integrierten Effekten im Flux. Übrigens hier (s. Abb. oben) mit der König & Meyer Ablageplatte 12227, die man an dem verwendeten Lautsprecher-Stativ mit einer Klemme befestigen kann und zwar auch an Lautsprecherständern anderer Hersteller.
Eine andere Alternative ist der König & Meyer Perkussions-Ablagetisch 13500 (s. Abb. oben), den man am besten links unterhalb des Flux positioniert. Auf dem Tisch passen Soma Cosmos und Warp exakt nebeneinander als wäre der Tisch speziell für diese Konstellation gemacht. So angeordnet kann man auch beim Spielen des Flux mit der linken Hand manuelle Veränderungen am Warp oder auch am Cosmos vornehmen. Ich habe es hier in der Regel vorgezogen den Ausgang des Flux mit dem Cosmos und dann den Ausgang mit dem Warp zu verbinden. Manchmal macht aber auch der umgekehrte Fall Sinn und dann muss man halt umverkabeln. Vorteil ist dann auch, dass man am Ende der Kette über den Cosmos einen Kopfhörerausgang zur Verfügung hat.
Nun mal zur Bewertung des Klangs beziehungsweise der Algorithmen. Die A/D-D/A-Wandlung ist qualitativ sehr hochwertig für ein Effektgerät. Besonders angetan haben es mir die fünf tollen Hallalgorithmen. Die würde ich einmal unter der Bezeichnung Kreativ-Hall einordnen. Anders als nur eine Raumsimulation bieten diese sehr eigene Charaktere. Ich hatte diese zuerst mit dem Flux probiert, aber sie sind auch hervorragend für Synthesizer und E-Gitarre geeignet. Beim Spielen kann man sehr viel Variantionsmöglichkeit mit manuellem Verändern oder CV-Steuerung der Parameter TIME, FB und SIZE erzielen. Gleiches gilt auch für die drei Echo-Algorithmen. Die klingen zum Teil sehr experimentell und das meine ich im Positiven. Da kommt Freude bei jedem Sound Design auf.
Wichtig ist noch zu erwähnen, dass am Ausgang bei hohen Pegeln ein Soft-Clip-Limiter aktiv wird, der unter Umständen Verzerrungen produziert. Wenn man diese Verzerrungen klanglich nicht nutzen möchte, muss man eben den Eingangspegel absenken. Die Dynamik- und Filteralgorithmen sind jetzt nicht so experimentell und dienen der feineren Klangbeeinflussung. Der Wavefolder zum Beispiel ist bei weitem nicht so extrem, wie man es vielleicht von Eurorack-Modulen her kennt, aber dafür ist er auch mit einer größeren Palette von Quellen einsetzbar. Niquist ist schon wieder etwas extremer in den Klangresultaten. Mit dem Algirithmus Pump kann man schön einen kräftigen und runden bis aggressiven Bass kreieren.
Fazit
Soma Warp - das etwas andere Multi-Effektgerät - kostet ca. 700 Euro. Warp ist ein ausgezeichnetes Multi-Effektgerät für den Live- und Bühnen-Einsatz und das sowohl von der Bedienung her, als auch von den Algorithmen. Auch für den Einsatzbereich Eurorack ist Warp wegen der Möglichkeit der CV-Steuerung der Effektparameter prädestiniert. Ein alternatives Produkt was ähnlichen Anwendungsbereich abdeckt, eine solche praxisgerechte Bedienung und Sounds bietet, fällt mir nicht ein. Ein Produkt mit vielen Alleinstellungsmerkmalen.
How to resolve AdBlock issue?