Shure KSM44MP, KSM40C und KSM32C
Autor und Fotos: Nick Mavridis

Shure-Mikrofone kennt jeder, der etwas mit Tontechnik zu tun hat. Allerdings werden den meisten in erster Linie die ikonischen Mikrofone SM57, SM58 und SM7B in den Sinn kommen, allesamt Mikrofone mit Tauchspulenwandlern. Auch das andere dynamische Prinzip bietet der Hersteller seit dem Kauf von Crowley & Tripp an, nämlich Bändchen. Eine große Rolle spielen in Shures Portfolio aber auch Kondensatormikrofone, darunter das hervorragende Handheld KSM9 und das mechanisch umschaltbare KSM141.
Technik der drei Mikrofone
Meine bisherige Meinung zu Shure-Großmembranmikrofonen: Technisch und klanglich auf hohem Niveau, optisch aber definitiv zum Weggucken. Das hat sich geändert, denn die Shure KSM44MP, KSM40C und KSM32C haben einen industrielleren Look bekommen, der mich an frühe Groove-Tubes- und manche baltischen Mikrofone erinnert. Die schwarzen Tuben werden mit einem Gewinde mit einer Halterung oder der Spinne verbunden, mittig sitzt die XLR-Buchse zur Aufnahme des Mikrofonkabels.

Mit seinen drei wählbaren Richtcharakteristiken Kugel, Niere und Acht, der randkontaktierten 1-Zoll-Kapsel führt das Shure KSM44MP die neue Serie an, das mit elastischer Halterung und Pop-Schutz ausgeliefert wird.
Wer sicher ist, eine Großmembrankapsel nur mit Nieren-Richcharakteristik betreiben zu wollen, der bekommt mit dem KSM40C die nicht umschaltbare Variante. Schaltbares Hochpassfilter (bei 80 Hz mit 18 dB/Okt. Filtersteilheit) zur Rumpelfilterung und Roll-off (Grenzfrequenz 115 Hz mit 6 dB/Okt.) zur Rücknahme der Bassanhebung im Nahbereich sowie eine Vordämpfungsoption mit 15 dB bieten beide.

Das Shure KSM32C würde von manchen Usern eher Mittel- als Großmembran genannt werden, da der Membrandurchmesser 3/4 Zoll beträgt – also so viel wie bei den K89-Mikrofonen Neumann U89, TLM127 und TLM170R. Erkennbar ist das KSM32C am kürzeren Gehäuse im Vergleich zu 40 und 44. Um falschen Verdacht auszuräumen: Shure fertigt diese Mikrofone in Mexiko, nicht in China.
Technische Daten
Den mitgelieferten, mehrsprachigen Manuals ist zu entnehmen, dass die technischen Daten einen hochprofessionellen Eindruck hinterlassen. Vor allem das Eigenrauschen von nur 5 dB (A-gewichtet) KSM44MP im Nierenpattern sticht heraus.
Die maximalen Schalldruckpegel liegen schon vor den Pads allesamt über 130 dB SPL, allerdings definiert Shure diese Grenze nicht bei 0,5, sondern 1 Prozent THD+N. Dennoch sind das ordentliche Werte. Keine Überraschungen sind an schwächeren Vorverstärkern zu erwarten, da Übertragungsfaktoren und Impedanzen aller drei Mikrofone auf der Höhe der Zeit sind.
Die grafischen Pegelfrequenzgänge sind erwartbar für moderne Studiomikrofone: leichte Höhenanhebungen mit sanftem Abfall zu 20 kHz, kleinen Schärferücknahmen bei den beiden größeren Mikrofonen. Die beiden schaltbaren Richtcharakteristiken des KSM44MP weichen von der Niere ab, denn die Kugel hat ihr Pegelmaximum mit 10 kHz etwas höher als die Niere, die Acht ist deutlich präsenter, mit einer Anhebung bei 5 bis 6 kHz. Apropos Richtwirkungen: Alle Diagramme zeigen typische Eigenschaften, die Neigung der Kapsel des KSM32C zur Acht in den Höhen und zur Kugel in den Tiefen fällt aufgrund der kleineren Konstruktion geringer aus.
Verarbeitung und Handling
Das Design der drei neuen KSM-Studiomikrofone trifft den Ton deutlich besser, als es die Vorgänger getan haben. Wer es etwas zu wuchtig findet, der sei an andere Mikros von Shure erinnert, allen voran das SM7B. Insofern ist die Designsprache schon deutlich kongruenter. Nordamerikanische Nachlässigkeit bei der Fertigung oder fragwürdige Materialwahl kann ich beim schlechtesten Willen nicht feststellen. Meine drei Testmikrofone sind durchweg gut gefertigt und wirken wertig.
Klang

Shure KSM44MP, KSM40C und KSM32C zeichnen sich alle drei durch einen sehr akkuraten und detaillierten Klang aus. Damit eignen sie sich als absolut hochwertige Grundlage für jede Art von Recording. Tiefen sind schön kontrolliert, Höhen klar, aber nicht glasig, in den Mitten herrscht ein fester Klang vor. All das sind Hinweise auf hochwertige Bauteile, kurzen Signalweg und vor allem eine gute Abstimmung der Bestandteile aufeinander. Über die Wahl des Vorverstärkers habe ich im Studio schon eine Reihe an Möglichkeiten, den Klang leicht in eine gewünschte Richtung zu bringen, Favoriten-Kombinationen habe ich keine.
Auffällig ist, dass On-Axis-Nebenzipfel sehr gering ausgeprägt sind. Das gilt explizit auch für die aus den beiden Nierenseiten kombinierten Charakteristiken Kugel und Acht beim Shure KSM44MP. Ich könnte mir auch gut vorstellen mit einem Stereopaar Ensembles zu mikrofonieren. Als Overhead am Drumkit und im zweikanaligen Verbund an einer akustischen Gitarre haben mich 40C und 44MP jedoch sehr zufriedengestellt. Klanglich fand ich jedoch das Shure KSM32C passender, es hatte etwas mehr Biss und wies nicht diese leichte Breite auf, die vielen im Schärfebereich leicht gedrosselten Großmembranmikrofonen eigen ist. Im Vergleich mit dem mit ähnlichen Kapseldimensionen ausgestatteten Conneaught Equitek E200 zeigte sich das Shure deutlich neutraler, breitbandiger und weniger knarzig. An die Auflösung, Transparenz und Schnelligkeit des auf der Neumann-K89-Kapsel beruhenden Sonodore MPM-91 mkI kommt sowieso kaum ein Mikrofon dieser Bauart heran, allerdings reden wir hier auch von einer ganz anderen Preisklasse.
Mit gesungener und gesprochener Stimme haben die beiden eng verwandten KSMs, das KSM44MP und das KSM40C, ihre wahrscheinlich liebste akustische Signalquelle. Zu spitz werden scharfe Konsonanten nicht, auf der anderen Seite verschwimmt das Signal nicht und trübt dadurch nicht die generell sehr hohe Sprachverständlichkeit und Durchsetzungskraft. Im Nahbereich gibt es Mikrofone, die Pop-Lauten ehr entgegenzusetzen haben, allerdings dann oft mit Einbußen in den Höhen. Nah kommen will man den beiden Mikrofonen aber sehr gerne, denn die Bassanhebung durch den Nahbesprechungseffekt ist knackig und gut kontrollierbar, die Gefahr des Wummerns gering.
Fazit
Das Shure KSM30C mit der kleineren Membran ist für ca. 730 Euro ohne Spinne und ca. 800 Euro mit Spinne zu haben und 970 Euro kostet das Nierenmikrofon KSM40C und 1209 Euro das in der Richtcharakteristik umschaltbare Shure KSM44MP. Alle drei Mikrofone sind Allrounder und das in hoher Qualität und zu einem absolut fairen Preis. Shure tut gut daran, keine Mix-Ready-Signale aus den Mikrofonen zu zaubern, sondern dem Nutzer freie Wahl bei der Gestaltung des klanglichen Wegs zu ermöglichen.
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