Sony Vegas Pro 12

Nun geht das Videoschnittprogramm bereits in die zwölfte Runde. Besonders im Workflow hat Vegas einiges Neues zu bieten.

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Vorgestellt wurden die Version 12 im September 2012 auf der IBC in Amsterdam und im letzten Quartal des Jahres war die Version 12 dann auch verfügbar. Es gibt nun zwei Vegas Pro-Versionen und zwar „Vegas Pro 12 Edit" und „Vegas Pro 12" – beide mittlerweile auch in deutschen Sprachversion. Bei der preiswerteren Vegas Pro 12 Edit ist Sonys Blu-ray/DVD-Authoring-Software nicht enthalten. Weiterer Unterschied ist, dass das Vegas 12 Pro Edit keinen Dolby 5.1 Surround- und Stereo-Codec bietet. Surround Produktionen sind aber wie bei der Vegas Pro 12 möglich. Weitere Unterschiede gibt es nicht. Mit dem Packet Vegas Pro 12 Suite wird auch noch ein Bundle bestehend aus Vegas Pro 12 und der Effekt-Software HitFilm 2 angeboten.

Wer sich mit den grundsätzlichen Funktionen von Sony Vegas Pro vertraut machen möchte, der sollte sich auch die beiden vorangegangenen Tests einmal anschauen, da wir hier nun auf die Neuigkeiten der Version 12 eingehen:

Systemanforderungen

Es wurde in der Version Vegas Pro 12 eine Optimierung der Applikation für 64-Bit-Betriebssysteme vorgenommen. Die Software läuft nun unter Windows Vista Service Pack 2, Windows 7 und Windows 8 64-Bit-Betriebssystemen. Als Minimalanforderung gibt Sony wie in der bisherigen Version einen  2-GHz-Prozessors an mit mindestens 4 GB RAM an. Um es vorweg zu nehmen, die Performance ist  sehr gut und unterscheidet sich nur unwesentlich von der Vorgängerversion Vegas pro 11. Für zügiges Arbeiten ist auch hier ein Mehrprozessorsystem, viel RAM-Speicher und eine Grafikkarte (NVIDIA oder AMD/ATI für GUI-Unterstützung) Pflicht. Die GUI-Unterstützung arbeitet in der Version 12 ohne Macken anstandslos und die Beschleunigung ist beim Rendern oder bei der Bildausgabe sehr ordentlich, so dass es sich lohnt hier zu investieren.

Import und Videoformate

Auf diesem Gebiet hat sich einiges getan. Auch bisher konnte Sonys Vegas Pro schon 4K-Videos und – QuickTime Pro vorausgesetzt – Apple ProRes- und Avid DNxHD-Videodateien importieren. Neu hinzugekommen ist nun Panasonic P2 DVCPRO- und AVC-Intra-Import inklusive HDCAM SR-Mastering-Format mit 220 MBit/s (SR Lite) und 880 MBit/s (SR 444).

Mit der Version 12 lassen sich auch Projekte, die von Sony Vegas Pro 11 erstellt wurden, öffnen. Hier hat man also auf Abwärtskompatibilität geachtet. Bei der Version 11 ließen sich ja keine Projekte öffnen, die mit Vegas Pro 10 erstellt wurden.

Mit der Version 12 wurde das Plattform-übergreifende Arbeiten deutlich verbessert. So lassen sich jetzt Projekte in entsprechende Datenformate für Avid Pro Tools 10 (AIFF), als XML für Apple Final Cut Pro 7 und Pro X sowie DaVinci Resolve 8 (XML) als auch für Adobe Premiere Pro CS6 und After Effects CS6 (.prproj) speichern und mit Ausnahme von Apple Final Cut Pro X auch importieren.

Workflow und Editing

tags

Der Vegas Pro Explorer (Abb. oben) wurde überarbeitet und ist etwas übersichtlicher gestaltet und auch mit ein paar neuen Zusatzfunktionen ausgestattet. Den Clips lassen sich nun auch Tags zuordnen, so dann sie sich auch noch mal besser ordnen lassen. Gerade bei größeren Projekten macht das Sinn. Nach dem Tagging werden die betreffenden Clips automatisch entsprechend dem automatisch neu angelegten Tagg-Ordner zugeordnet. Neu ist auch, dass sich nun Mediadaten und Bins in ein anderes Vega-Pro-Projekt importieren lassen. 

timerline

Auch bei den Editierfunktionen und der Timeline wurden im Detail Änderungen vorgenommen. So wird nun der letzte angeklickte Clip mit einer gelben Umrandung markiert (s. Abb oben) und die Anfasser des Clips unter dem Mauscursor werden farblich hervorgehoben.

videomenu

In dem Submenü, welches nach dem Anwählen der rechten Maustaste aufgeht (s. Abb. oben), sind nun drei neue Menüeinträge und Icons für Splitting eines Clips an der aktuellen Play-Cursor-Position sowie für die Übernahme der aktuellen Cursor-Position für den Start- und Endpunkt des selektierten Clips. Das Splitting gab es übrigens über die Taste "S" auch schon in der Version 11 aber eben kein Eintrag im Menü und deshalb haben viele diese Funktion verzweifelt gesucht. 

Es existieren nun auch neue Tastaturkurzbefehle für das getrennte Trimmen von Audio und Video. Bei gruppierten Clips wird ab der Version 12 nun ein gleichzeitiges Faden von Audio und Video geboten. Weiter wurden einige Icons zur besseren Übersicht verschoben. 

ab-roll

Zudem wurde ein neuer Edit-Modus eingeführt. Wenn man auf einen Übergang zwischen zwei Clips ein Doppelclick ausführt, ändert sich die Darstellung und das Editieren auf einen A/B-Roll-Modus (s. Abb. oben). Die Edit-Punkte sind nun zu sehen und nichtbenutzte Clips werden in der Timeline markiert. Über ein Setzen einer Loop über den Editierpunkt können nun Verschiebungen dynamisch durchgeführt werden. Ob diese Editiermethode einen Vorteil bietet hängt sicherlich von den eigenen Vorlieben und Vorgehensweisen ab. Ich könnte mir vorstellen, dass Anwender, die von Hardware-Videoeditiersystemen her kommen, diese Editiermethode bevorzugen. Ob sie allerdings mit der gesamten Funktionalität dieses Editiermodus zufrieden sind ist fraglich.

Es gibt auch neue Maskierungs-Werkzeuge zum Ausblenden von Rechtecken/Quadraten und Ovalen/Kreisen. Zudem wird es über die FX-Maskierung nun einfach, Teile des Bildes eines Clips unscharf zu machen oder zu pixeln, z. B. um Nummernschilder, TV-Logos oder Personen unkenntlich zu machen. 

Auch beim Thema Farbräume hat man Vegas pro 12 verbessert. Es wird nun für Kameras mit S-log-Funktion der ACES-Farbraumstandard unterstützt, wie auch andere, nicht so verbreiteten Standards. Weiter ist das Bearbeiten von Farben im L*a*b*-Farbraum möglich.  

proxydatei

Mit der neuen, sogenannten Funktion „Smart Proxy-Workflow" wird gewährleiste, dass ein Abspielen des Videos immer möglich ist. Hierzu werden generierte Smart-Proxy-Dateien zum Anzeigen herangezogen. Die Videovorschau wechselt automatisch je nach den Gegebenheiten von den Originalen zu den Smart-Proxy-Dateien. Dabei ist gewährleistet, dass beim  Rendern natürlich immer die Originaldateien als Quelle dienen.

In der neuen Version wurden weiter die Sony AVC Codecs und die Dialoge auf den AVCHD Standard 2.0 angepasst. Die Codecs und deren Einstellungen gleichen sonst denen der Version 11. Praktisch ist, dass nun der Fortschritt des Renderns in der Windows Taskbar angezeigt wird und das das Ende des Rendering-Prozesses über einen anwenderdefinierten Sound signalisiert werden kann. Auch die 32-Bit-Gleitkomma-Videoverarbeitung wudde verbessert. Man kann nun im 8-Bit-Modus editieren und dann vor dem Rendering auf 32-Bit-Modus umschalten und dann von dem größerem Farbraum profitieren. 

Audio

Natürlich möchten wir als Pro-Audio-Portal Ihnen auch einen Blick auf die Neuigkeiten im Bereich der Audioverarbeitung  bieten. Hier gibt es zwei erwähnenswerte Erweiterungen. Einmal kann der Audiomonitorausgang nun auf einen SDI-Ausgang eines AJA- oder Blackmagic Design kompatiblen Gerätes geroutet werden. Die zweite Neuerung ist, dass nun viele Sound-Forge-32-Bit-Plug-Ins auch als 64-Bit-Plug-Ins verfügbar sind und sich so auch in Vegas Pro 12 einsetzen lassen, wie z. B. die Restaurations-Plug-Ins und Zplane élastique Pro timestretch. Insgesamt sind die Audiofunktionalitäten in Vegas Pro 12 so groß, dass für die meisten Projekte eine Vorbereitung des Audiomaterials in einem externen Programm überflüssig machen. Lediglich große Filmprojekte mit vielen Audiospuren erfordern die Anwendung  entsprechender Post-Pro-AudioApplikationen um hier den Überblick zu gewährleisten.

DVD Architect Pro 6

Bei der Vollversion wird nun die Version 6 des Authoring-Programms DVD Architect Pro von Sony mitgeliefert. Der wesentliche Unterschied zu der Version 5.2 ist, dass nun Blu-ray-Render-Vorlagen für den MainConcept-Encoder enthalten sind. Der Encoder unterstützt variable Bitraten mit einer maximalen Bitrate von 40 MBit/s und einer durchschnittlichen Bitrate von 25 MBit/s.

Praxis

Mit diesem Test haben wir uns Zeit gelassen und es konnte mit einigen Projekten Erfahrungen gesammelt werden. Vegas Pro 12 bietet einige Dutzend neue Funktionen so dass wir hier in diesem Rahmen nur die wichtigsten aus unserer Sicht der Dinge aufzeigen. So wurde in vielen Punkten die GPU-Unterstützung spürbar beschleunigt und erweitert.

Ein riesen Pluspunkt ist, dass das Oberflächenkonzept so gestaltet wurde, dass die Änderungen sich im Detail verstecken und der Anwender ohne irgendwelche Manuals zu lesen erst mal so weiterarbeiten kann, wenn er Erfahrung mit der Version 10 oder 11 hat.

Um ein Fazit schon mal vorwegzunehmen: Sony Vegas Pro 12 hat sich mit der aktuellen Version nochmals deutlich weiterentwickelt und ist zu einem ersthaften Konkurrenten in der oberen Liga der Video-Editing-Software aufgestiegen. Durch die vielen neuen Funktionen im Bereich des Im- und Exports, der Videoformate und im gesamten Workflow wurde das Programm erheblich aufgewertet.

Einen weiten Schritt hat man in Sachen Zuverlässigkeit gemacht. Auch die Befragung von anderen Anwendern zeigen, dass die Version 12 eine stabile Vegas Pro-Version ist.

Ein wichtiger Hinweis in dieser Sache noch zu den Builds ab 468 von Vegas 12. Hier kann es massive Probleme mit alten AMD-Videokarten-Treibern geben (fehlerhafte Darstellung bis hin zu Einfrieren beim Rendering mit GPU-Unterstützung sowie Blue-Screens). Man sollte einen aktuellen Treiber von der AMD-Homepage laden und dann wie folgt vorgehen: AMD-Treiberapplikation im System (AMD/Support/... .exe) starten und gefundene Treiberelemente komplett deinstallieren, dann Rechner neu starten, nun unter dem aktiven Windows-Videotreiber Vegas 12 einmal starten und wenn hochgefahren wieder verlassen und Rechnern erneut starten, vorher downgeloadeten aktuellen Treiber installieren, Rechner erneut herunterfahren und dann nach Neustart Vegas 12 starten. Nun sollte beim Hochfahren des Programms zwischendurch im Startup-Dialog ein Hinweis erscheinen das GPU-Unterstützung geladen, bzs. aktiv ist. Nun sollte alles wieder funktionieren. Wichtig ist genau die beschriebene Reihenfolge einzuhalten. Das war übrigens auch schon bei Vegas 11 Treiberinstallation so.

Fazit

Das Sony Vegas Pro 12 Edit liegt bietet mit einem Preis von lediglich 330 Euro wirklich erstaunliches für dieses Preisniveau. Da kann zurzeit keine andere Software mithalten. Die Vollversion von Vegas Pro 12 liegt mit 650 Euro fast bei dem doppelten Preis, aber DVD-Architect und Dolby-Encoder-Lizenz sind hier mit enthalten. Wenn man berücksichtigt, dass DVD Architect 6 alleine ca. 480 Euro kostet, dann ist das ebenfalls ein akzeptabler Preis. Ein  Update von früheren Sony Vegas Pro-Versionen auf Sony Vegas Pro 12 schlägt mit ca. 180 Euro zu Buche und die sind wirklich sehr gut investiert.

Mit Vegas Pro 12 mischt Sony in der oberen Liga der Native-Videobearbeitungsprogrammen mit. Die Bezeichnung Pro hat die Software voll verdient und so manche Kopfschmerzen, die den Anwendern der Versionen 10 und 11 bereiteten sind Vergangenheit. Mit der Version 12 hat man einen großen Schritt in Richtung Professionalität gemacht.

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