Adobe CS6 A/V-Produktions-Software

Autor und Abbildungen: Peter Kaminski

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Wir möchten in diesem Test einmal die Programme der "Creative Suite" von Adobe für die Audio/Video-Produktion vorstellen - eine Palette von Programmen für die verschiedensten Anwendungen. Nach mehreren Monaten Erfahrung mit den verschiedensten Programmen möchten wir dann auch eine Beurteilung der Programme und deren Zusammenspiel abgeben.

Zu erwähnen ist an dieser Stelle auch schon, dass die Creative Suite 6, die wir hier getestet haben, dass letzte Produkt ist, was in Form eines Software-Packs mit CDs ausgeliefert wird. Die Produkte der Adobe "Creative Cloud", die ab Juni 2013 verfügbar sind, werden diese in Zukunft ersetzen und eine Produktweiterentwicklung wird ausschließlich in Form der Creative Cloud Produkte angeboten werden. Dazu später mehr.

Adobe Premiere Pro

Wenden wir uns als erstes einmal der Bedienung des Videoschnittprogramms Premiere Pro zu. Nach dem Start des Programms wird zunächst eine Sequenz angelegt. Hierfür stehen verschiedenste Formate zur Auswahl bereit (s. Abb. unten).

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Die Programmhierrachie ist wie folgt: Eine Sequenz besteht aus mehreren Clips, die auf mehere Audio- oder Video-Spuren verteilt sind. Eine Sequenz kann allerdings wiederum auch Teil einer anderen Sequenz sein. So erstellt man erst mal einzelne Sequenzen wie Intro, Interview, Bericht etc. und baut diese Teile dann in eine weitere Sequenz ein. Es sind hier beliebige Verschachtelungen möglich. Somit lassen sich auch leicht verschiedene Versionen eines Videos erstellen.

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Über den Media Browser werden die Audio/Video-Clips importiert und die im Projekt verwendeten Clips erscheinen dann in der Projekt-Liste (s. Abb. oben) und lassen sich von dort auf die Spuren der Sequenzen ziehen. Auch die einzelnen Sequenzen erscheinen hier und lassen sich so auch auf die Spuren andere Sequenzen einbinden.

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Neben den Spuren einer Sequenz ist üblicherweise die Toolbar mit den verschiedenen Spur-Werkzeugen angedockt. Es ist aber so, dass die einzelnen Programmfenster aus dem Verbund gelöst und als fliegende Fenster dargestellt und bewegt werden können. Diese Konzepte sind natürlich auch Programmübergreifend und gelten auch für die anderen Applikationen der Suite.

Neben der Spur sind kleine Pfeile. Wenn man auf diesen clickt erfolgt eine Großdarstellung des Clip/Spurinhalts. Was dann angezeigt werden soll lässt sich über ein Kontextmenü einstellen, bzw. anwählen. Natürlich kann man die Spuren auch größer und kleiner ziehen, so dass auch Detailarbeit an Audio- und Videoparametern problemlos möglich ist. Über sogenannte Keyframes lassen sich die Parameter auch lokal verändern (siehe z. B. oben, in der Audiospur sind mehrere Keyframe-Punkte zum lokalen Anpassen des Audiopegels). Also alles so, wie man das durchaus auch von anderen Programmen gewohnt ist.

Effekte

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Effekte lassen sich anwenden, in dem der gewünschte Effekt aus dem Effektfenster, mit der Maus auf den Clip, bzw. auf benachbarte Clips bei Überblendungen, gezogen wird (s. oben: Überblendung zweier Videoclips). Angeboten werden fünf Clip-Typen, die in eigenen Ordnern aufrufbar sind und zwar Vorgaben, Audio- und Video-Effekte sowie Audio- und Videoüberblendungen. 

Titeleinblendungen

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Natürlich darf auch ein integrierter Titelgenerator nicht fehlen. Ein Blick auf das entsprechende Titel-Fenster (s. oben) verrät schon die verfügbare Komplexität. Es sind viele Stile direkt aufrufbar. Es lassen sich aber auch eigene Stile anwenden und kreieren. Es stehen drei Arten von Titeleinblendungen zur Verfügung und zwar Standbild sowie horizontal (Adobe: rollen) als auch vertikal (Adobe: krichen) animiertes Einfliegen des Textes.

Multicam

Ein Multikamera-Editing geht relativ einfach von statten. Man legt in den Clips die von den Kameras kommen, jeweils ein Referenzpunkt in Form einer Clip-Start- oder End-Marke oder über einen sonstigen Marker fest, markiert die entsprechenden Clips der Kameras im Projekt-Dateien-Fenster und wählt im Kontextmenü (durch Drücken der rechten Maustaste) "Multikamera-Originalsequenz erstellen" aus (s. Abb. unten).

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Aus den Clips wird nun eine neue Sequenz erstellt, die die synchronisierten Clips enthalten. Diese lässt sich mit der Maus nun auf Audio- und Video-Spuren ablegen.

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Über den Multi-Kamera-Editor lassen sich nun die Kameras auswählen. Hierzu startet man die Wiedergabe und wenn man Änderungen an der Kameraauswahl treffen möchte, klickt man auf die Record-Taste im Editor und wählt mit der Maus die gewünschte Kamera aus oder wählt diese über die Zifferntasten an. Nach Beendigung dieses Vorgangs entstehen auf der Spur mit der Multikamera-Sequenz einzelne Clips ensprechend den Kameraumschnitten. Diese lassen sich auch in der Länge und Position verschieben. Auch eine manuelle Änderung der Quellkamera per Kontextmenü im einzelnen Clip ist möglich.

Audiomixer

Natürlich interessiert uns als Audio-Platftorm auch besonders die Funktionalität von Premiere Pro im Segment der Audiobearbeitung. Über die Voreinstellung Audiogeräte lässt sich das Audio-Interface anwählen.

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Wir haben in unsere Tests ein RME UFX via ASIO-Treiber eingebunden. Über die Voreinstellungen "Audioausgabe zuordnen" lassen sich Audiokanalzuordnung und standard Stereo- sowie Surround-Ausgänge, festlegen (s. Abb. oben).

Über einen Reiter kann der Anwender das Audiomixer-Fenster anwählen (s. Abb. unten). Es gibt auch standardmäßig verschiedene, auswählbare Bearbeitungsbereiche. Hier gehört übrigens auch einer auf Audiobearbeitung zugeschnittener dazu. Von der optischen Umsetzung und dem Handling her ist die Audiofunktionalität sehr Studio-like und so wie man sie auch von DAW-Software her kennt. Sehr ansprechend und auch sehr intiuitv zu bedienen.

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Der Mischer ist sehr strukturiert aufgebaut. Es lassen sich auch Subgruppen anlegen und auch eine Automation wird geboten. Spuren können Mono, Stereo oder auch Surround-Spuren, bzw. Mischpultkanäle sein.

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Beim Anklicken auf ein kleines Dreieck oben links im Fenster klappt man die Plug-In- und Submix-Liste der Kanäle auf. Ein ausgewählter Parameter wird direkt unten in der Liste angezeigt. Durch Klicken auf ein Plug-In geht der VST-Plug-In-Editor auf (s. Abb. unten).

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Es werden eine ganze Reihe von VST-Plug-Ins mitgeliefert die für die A/V-Produktion alles Wichtige abdecken. Es lassen sich aber auch VST3-Plug-Ins anderer Hersteller nutzen. Dazu später mehr.

Exportieren

Nach vollendetem Editing muss nun die gewünschte Sequenz exportiert werden. Den Begriff Rendern benutzt Adobe nur für das Rendering innerhalb Premiere Pro. Nach Anwahl des Menüpunktes "Exportieren" von "Medien" geht der entsprechende Dialog auf. Links wird der Bereich der exportiert werden soll festgelegt. Hier ist auch eine Videovorschau vorhanden. Es lassen sich auch bestimmte Voreinstellungen auswählen, wie z. B. "gesamter Clip" exportieren.

 

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Auf der rechtesn Seite (Detailausschnitt s. unten) lassen sich die Parameter für die Kodierung einstellen. Über die Auswahl "Format" und "Vorgabe" sind alle wichtigen Ausgabeformate vorhanden und schnell ausgewählt. Ggf. lassen sich die Einstellungen anpassen, wie wenn z. B. die Bitrate verändert werden oder wenn eine Zweifachkodierung erfolgen soll.

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Auch ein Transfer via FTP ist direkt aus dem Export-Fenster aus möglich. Es lassen sich auch mehrere Vorgänge in eine Warteschlange ablegen und dann sequenziell abarbeiten.

Dynamic Link

Premiere Pro ist schon von seinem Funktionsumfang sehr vollständig. So lassen sich auch schon TV-Produktionen dort problemlos ohne Hilfe weiterer Programme editieren. Für anspruchsvollere Produktionen oder in Fällen wo Spezialwerkzeuge zum Einsatz kommen, ist in der Regel ja das Exportieren einer gerenderten Datei erforderlich, die dann extern bearbeitet wird und dann in das A/V-Schnittsystem wieder nach der Bearbeitung reimportiert wird. Das ist bei der Anwendung in der Creative Suite so nicht erforderlich denn dafür gibt es die Funktion "Dynamik Link".  

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Es lassen sich so selektierte Clips oder Sequenzen an andere Adobe-Programme übergeben. Ist das entsprechende Programm nicht geöffnet wird es automatisch gestartet. Nach den durchgeführten Änderungen stehen die Bearbeitungen automatisch und ohne manuelle Export wieder in Premiere Pro bereit.

Adobe After Effects

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Wenn es darum geht visuelle Effekten anzuwenden oder spezielle Animationen von Titeln durchzuführen etc., dann kommt After Effects zum Einsatz, das eben auch mit Dynamic Link angesprochen werden kann.

Encore

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Mit Encore lassen sich DVD- und Blu-ray Discs erstellen. Entsprechende Marker zum Anlegen von Kapiteln werden zusammen mit dem A/V-Material mit übernommen. 

Audition

Es gibt auch mit Adobe Audition ein speziellen Audioeditor mit umfangreicher Funktionalität, der besonders dann zum Einsatz kommt, wenn Offline-Editing von Audio-Clips erforderlich wird.  

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Auch hier ist eine Datenübernahme mit Premiere Pro möglich. Das geschieht aber nicht über Dynamic Link sondern über den Menüeintrag "in Adobe Audition bearbeiten". Das Audiomaterial wird nach Selektion und Anwahl des Menüpunktes gerendert und dann an Audition übergeben. 

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Neben einer Pegeldarstellung über die Zeit ist auch eine spektrale Darstellung und Editing möglich.

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Seit der Version CS6 ist Audition auch mehrkanalfähig (s. Detailausschnitt oben). Auch VST3-Plug-Ins lassen sich unter Audition einsetzen.

Media Encoder

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Für das Rendern steht mit dem Media Encoder auch eine dedizierte Kodier-Applikation von Adobe bereit, die besonders für das Kodieren von vielen Dateien in einem Vorgang geeignet ist. 

Photoshop

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Eine weitere Applikation ist die Bildbearbeitungs-Software Photoshop. Der Klassiker was Bildbearbeitung angeht. Es ist aber auch so, dass schon in Photoshop selbst eine Video-Timeline aufgerufen werden kann, um Standbilder zu animieren und dann ggf. als Clip in Premiere Pro zu importieren. 

Praxis

Jetzt stellt sich eben die Frage, wie macht sich das Adobe-Paket im Vergleich zur Konkurrenz. Hier muss man sagen, dass das Adobe-Konzept sich aber auch schlecht mit anderen Anbietern vergleichen  lässt denn bei Adobe bietet man eben neben einer Video-Schnittsoftware auch ein Vielfalt von verschiedensten Applikationen an, die in sich schon eine sehr hohe funktionelle Komplexität aufweisen und zudem untereinander kommunizieren. Das gibt es ansatzweise auch bei anderen Anbietern aber eben nicht in der ausgeprägten Form und Vielfalt.  

Ein sehr positiver Punkt ist, dass die Bedienkonzepte der Programme sehr angeglichen sind und man sich ggf. schnell in eine andere Applikation zurecht findet. Trotzdem ist die Gesamtkomplexität nicht zu unterschätzen. Es ist aber so, dass wenn man z. B. sich mit Premiere Pro beschäftigt, nach einer Einarbeitung von einigen Stunden schon die ersten Multilamera-Projekte abwickeln kann.

Die Software ist sehr logisch aufgebaut. An manchen Stellen fehlen aber auch bestimmte Funktionen, die man von anderen Programmen her kennt, wie z. B. das automatische Crossfading beim Überlappen von Clips. Hier muss man immer einen Effekt für die gewünschte Blende ausführen. Aber letztendlich sind solche Dinge, wie man vorgeht, um etwas zu erreichen, auch bewusst Konzepte der Adobe Bedienphilosophie. Die gersamten Bedienoberflächen der Programme sind sehr aufgeräumt aber Viele Funktionen verstecken sich auch in Menüs oder hinter kleinen Icons.

Wo wir gerade bei der Bedienung sind. Es gibt für die Software-Applikationen von Adobe jede Menge Fachliteratur. Das liegt daran, dass in der Regel nur Manuals in Form von PDFs und häufig auch nur englischsprachige, bereitstehen. Zudem hat Adobe nicht immer bei der Verwendung von deutschen Begriffe eine glückliche Hand. Das hinterlässt zunächst den Eindruck, dass die Einarbeitung schwierig ist. Hier setzt Adobe aber auf das Mittel Video. Mit Adobe TV gibt es auf der Web-Seite von Adobe ein ausführliches Angebot von Workshop-Videos, die die Bedienung der einzelnen Programme oder bestimmter Funktionen aufzeigen. Diese sind wirklich sehr zu empfehlen und verkürzen die Einarbeitungszeit enorm.

Natürlich hat jede Software auch Punkte die verbessert werden sollten. Wir beziehen uns hier mit den Anmerkungen auf die Version CS6. Bei Premiere wäre es z. B. wünschenswert, dass man die VST-Ordner von der Bedienoberfläche frei wählen kann, so wie es auch bei Adobe Audition und den meisten Programmen mit VST-Unterstützung der Fall ist. Hier ist ggf. ein manueller Eingriff in die Windows Registry, was die meisten Anwender überfordern dürfte, oder ein neu Installieren der VST-Plug-Ins in die vorgesehenen Ordner erforderlich. Auch ein VST-Plug-In Rescan-Button wäre für Adobe Premiere wünschenswert.

Ein zweiter Punkt ist die GPU-Unterstützung. Adobe Premiere Pro bietet an keiner Stelle im Programm die Möglichkeit Einfluss auf die Unterstützung mit einer Grafikkarte zu nehmen. Entweder es passiert automatisch oder eben nicht. Optionen um zu sehen ob die GPU-Unterstützung ihren Dienst tut und das aktivieren oder deaktivieren bestimmter GPU-Unterstützung, wie z. B. für Überblendungen und Spureffekte sowie Rendering/Export, fehlen. Auch hier hilft nur ein manueller Eingriff ins System. Das sind aber auch zwei Punkte, die die Ausnahme bilden und eher kritisch betrachtet werden müssen.

Getestet haben wir Premiere übrigens auf unserem Testrechner einem Steller-Online SO-APC3 (2011). Ein solcher Rechner ist den Einsatz mit Premiere Pro mehr als ausreichend. Was generell als wirklich hervorragend bezeichnet werden kann ist die Systemstabilität und auch der problemlose Umgang mit verschiedensten Medientypen aus verschiedensten Quellen und das Zusammenspiel der einzelnen Adobe-Applikationen im Verbund.

Fazit

Wie schon erwähnt laufen ja die CS6-Pakete als Boxprodukte aus und der Bezug der Software wird in Zukunft nur noch über die Creative Cloud (CC) im Jahres-Abo möglich sein. Hier sieht Adobe vor entweder ein bestimmtes Produkt oder die gesamte Produktlinie zu abonnieren. Ob das eine gute Entscheidung ist wird man sehen. Es wird sicherlich viele Anwender geben, die den klassischen CS-Box-Produkten nachtrauern. Besonders bei großen Firmen oder Rundfunkanstalten passt so ein Konzept nicht unbedingt in den organisatorischen Ablauf.

Was das Gesamtpaket angeht, so gibt es einfach nichts Vergleichbares, was so eine funktionelle Bandbreite anbietet und mit dem Vorgehen von Apple in Sachen Final Cut Pro werden viele in Adobe's Premiere Pro mehr als eine Alternative sehen.

Wir werden weiter verfolgen, wie es mit den Adobe-Produkten in der Creative Cloud weitergeht. Man hat hier schon jetzt ganz interessante Neuerungen angekündigt.

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